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Full text : Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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an  zerstreuten,  naturalistisch  gemalten  oder  auch  plastisch  ausgearbeiteten
Blumen  und  Früchten.  Die  Fabrik  folgte  diesem  Geschmack,  ohne  eigene
Wege  und  Richtungen  einzuschlagen.
Zwar  führte  sie  von  der  Zeit  an,  da  sie  eine  kaiserliche  Fabrik
geworden  war,  ihre  eigene  Marke,  und  zwar  den  österreichischen  Bindenschild ­
  |~|,  ein  Zeichen,  das  durchaus  nicht,  wie  man  heute  will  und
populär  glaubt,  als  ein  Bienenkorb  (in  umgekehrter  Stellung)  zu  betrachten
ist.  Sondern  es  war  und  ist  Staatswappen,  zu  dessen  Führung  niemand
anderer  als  eine  Staatsfabrik  berechtigt  sein  kann.  Anfangs  war  es  vertieft
in  die  Masse  eingedrückt,  sodann  in  Blau  unter  der  Glasur  gemalt,  und
zwar  bis  zum  Jahre  1827,  seit  welcher  Zeit  die  Marke  aufs  Neue  wieder
in  die  Masse  mit  einem  Holzstempel  eingedrückt  wurde.  Damals  gab  auch
die  Fabrik  die  officielle  Erklärung  ab,  dass  diese  Marke  den  österreichischen
Wappenschild  (weisser  Streif  im  rothen  Felde)  vorstelle  und  fälschlich
als  Bienenkorb  erklärt  werde.
Trotz  dieser  eigenen  Marke  hatten  aber  die  Arbeiten  der  Wiener
Fabrik  noch  keine  Originalität.  Sie  folgten  in  Form  und  Verzierung  insbesondere ­
  Meissen;  später  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahrhunderts  blieb
auch  das  erblühende  Sevres  nicht  ohne  Einfluss.  Sevres  war  es  wohl
insbesondere,  welches  mit  seiner  warmtönigen,  milchweissen,  aber  auch
glasigen  Masse,  in  welche  sich  die  Farben  mit  besonderem  Schmelze
einsenkten,  den  Director  Kessler  zu  seinen  Versuchen  verleitete  eine
weissere  Masse  zu  erzielen.  Das  Wiener  Porzellan  war  von  Anfang  an
wie  das  Meissner  echte  und  harte  Masse  (päte  dure),  während  das  von
Sevres,  die  sogenannte  weiche  Masse  (päte  tendre),  mehr  glasig  und
durchsichtig,  eines  geringeren  Feuers  bedurfte  und  so  die  Farben  zugleich
geringerer  Gefahr  aussetzte.  Die  Fabrik  erkaufte  also  gewisse  künstlerische
Eigenschaften,  die  im  Zeitgeschmäcke  lagen,  Schmelz  und  Eleganz,  gleich
dem  englischen  Porzellan  auf  Kosten  der  Solidität.  Beides,  das  englische
und  das  Sevres-Porzellan  von  damals,  sind  hübsch  für  die  Augen,  aber
schlecht  für  den  Gebrauch.  Sie  ertragen  wie  Glas  nicht  den  Wechsel  der
Temperatur.  Das  asiatische  Porzellan  ersetzt  den  Schmelz,  soweit  er  ihm
mangelt  oder  soweit  ihn  Sevres  voraus  hat,  dadurch,  dass  seine  Masse
schon  einen  Farbenton  hat.  Gerade  weil  es  nicht  rein  weiss  ist,  vermag
es  bei  den  vielen  und  glänzenden  Farben,  die  es  verwendet,  um  so
leichter  Harmonie  zu  erzielen.  Kessler  irrte  also,  indem  er  nach  der

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