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Full text : Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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denen  Tellern,  Schüsseln,  Saucieren  u.  s.  w.  Thee-  und  Kaffeegeräth  ist
reichlich  vorhanden,  alles  aber  dient  noch  einem  gewissen  Gebrauche  und  hat
nicht  einzig  die  Bestimmung  durch  sich  selbst  ein  Schmuck  des  Zimmers  zu
sein.  In  diesem  Sinne  gab  es  noch  kaum  eigentliches  Luxusgeräth,  womit
uns  die  heutige  Porzellanfabrication  überschwemmt.  Die  Formen  des
Wiener  Geräthes  haben  in  dieser  Epoche  die  asiatischen  Reminiscenzen
so  ziemlich  abgelegt:  sie  folgen,  wie  das  schon  oben  angedeutet,  dem
Gange  des  Rococo  mit  seinen  geschweiften  Linien  und  unregelmässigen
Formen,  während  in  der  gemalten  Verzierung  die  zerstreuten,  wie  zufällig
vertheilten  Blumen  und  Blumenbouquets  überwiegen,  die  auch  oft  nur
zum  Zwecke  des  Deekens  gewisser  Fehler  des  Porzellans  ihre  Stelle
erhalten  haben.  Die  Ausführung  ist  naturalistisch  wie  in  Meissen,  so  sehr,
dass  die  Blumen,  wo  es  möglich  ist,  in  vollem  naturalistischen  Relief
dargestellt  werden.  Dies  geschieht  insbesondere  auf  den  Deckeln  der
Gefässe  oder  an  den  Seiten,  wo  denn  die  Blumen  und  Früchte,  wiederum
sehr  unnatürlich,  als  Henkel  oder  Handgriffe  zu  dienen  haben.  Die  Feinheit ­
  und  Härte  des  Porzellans  gestattet  auch  eine  ausserordentliche  Schärfe
und  Feinheit  der  plastischen  Durchbildung  und  der  Reichthum  der  Palette
eine  sehr  natürliche  Bemalung.  Später  gegen  den  Ausgang  dieser  Periode
nehmen  figürliche  Malereien.  Genrebilder,  sentimentale  Scenen,  Kriegsbilder ­
  mehr  und  mehr  zu,  doch  meistens  auf  kleineren  Gegenständen  und
in  sehr  zarter  und  zierlicher  Ausführung.  Trotzdem  treten  sie  noch
bescheiden  als  reine  Verzierung  auf  und  bilden  nicht  die  Hauptsache,
wie  wenige  Jahrzehnte  später.
Die  Periode  des  Rococo  brachte  der  Porzellanfabrication  aber
noch  eine  neue  Seite,  welche  auch  von  der  Wiener  Fabrik  mit  einer
gewissen  Vorliebe  ausgeübt  Avurde,  die  plastische  nämlich,  auf  welche
schon  die  natürlichen  Blumen  und  Früchte  in  Hochrelief  hinweisen.  Das
Porzellan  ist  für  die  Plastik  kein  Material  im  Grossen,  da  die  Masse  im
grossen  Feuer  zerspringen  und  zerreissen  würde.  Lebensgrosse  Büsten,
welche  die  Wiener  Fabrik  später  Avirklich  in  diesem  Stoffe,  im  sogenannten
Biscuit,  ausgeführt  hat,  sind  nur  Kraftstücke,  nur  Ausnahmen  und  gelungene
Versuche.  Auch  ist  der  künstlerische  Effect  derselben  keineswegs  ein
günstiger.  Dagegen  eignet  sich  der  feine  und  harte  Stoff  sehr  wohl  für
kleinere  Arbeiten  der  Plastik,  die  sich,  während  bei  der  Faience  durch
die  Glasur  die  Feinheiten  verschwinden,  die  Schärfen  sich  abstumpfen
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