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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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Die Verhältnisse an der Porzellanfabrik, welche der Leitung Sor- 
genthal’s voraufgegangen waren, hatten einen nachtheiligen Einfluss 
geübt. Das Personal der Fabrik war wiederum von 320 auf 280 zurück 
gegangen. Aber die klugen und entschlossenen Massregeln ihres neuen 
Führers brachten bald neues Leben und neue Blüthe. Binnen wenigen 
Jahren überflügelte sie nicht nur ihren bisherigen höchsten Bestand bei 
weitem, sie erhob sich auch zu künstlerischer Selbständigkeit, zu einer 
Führerin des Geschmacks, zu einer wahren Kunstanstalt, der man in 
dieser Richtung eher das Zuviel als das Zuwenig vorwerfen konnte. 
Der neue Director schaffte zunächst Ordnung im Innern, regelte 
die Arbeiten und die Arbeitszeit, beschäftigte und leitete die Talente 
jedes an seinem Ort und in seiner Weise, sorgte für die Zukunft seiner 
Arbeiter oder für ihre Pflege in Krankheiten und machte so auch in dieser 
Beziehung die Fabrik zur Musteranstalt. Mit den alten Waarenvorräthen, 
die sich massenhaft angesammelt hatten und gänzlich im Geschmack zu 
veralten drohten, räumte er völlig auf, indem er sie an verschiedenen 
Orten in grossen Auctionen verkaufen liess. Da mit den sonstigen An 
strengungen der künstlerische Aufschwung Hand in Hand ging, so änderte 
sich die Sachlage dahin, dass alsbald statt der massenhaften Vorräthe die 
Fabrik den Anforderungen und Aufträgen nicht mehr genügen konnte. 
Sie erzielte ein Erträgniss, welches den Kaiser veranlasste den Arbeitern 
ausserordentliche Belohnungen zu ertheilen. 
Wie schon oben mitgetheilt, hatte Sorgenthal 1784 die Fabrik 
mit einem Personal von 280 Köpfen übernommen. Im Jahre 1799 waren 
bei der Malerei allein i3o Personen thätig und die gesammte Zahl derer, 
die in der Fabrik beschäftigt waren, betrug 5oo. Selbst diese Zahl 
genügte nicht den Anforderungen, die an die Fabrik gestellt wurden. Da 
entschloss sich Sorgenthal zur Anlage einer Filialfabrik, und zwar in 
der Gegend, von woher die Porzellanerde bezogen wurde, in der Nähe 
von Passau. Diese neue Fabrik, die in einem aufgehobenen Cisterzien- 
serkloster zu Engelhardtzell im Jahre 1800 mit einem Aufwande von 
47-338 Gulden errichtet wurde, erhielt eine doppelte Aufgabe. Sie hatte 
das ordinäre Geschirr zu liefern, für welches sie eher geeignet war, da 
das Kunstgeschirr der Residenz und ihrer Hülfsmittel nicht leicht ent 
behren konnte. Sie hatte ferner für die Hauptfabrik die erste Reinigung 
des Materials zu übernehmen, wodurch man sowohl an dem 1 ransport
	        
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