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schaft, in je eine Classe für Blumenmalerei, Ornamentik und Blaumalerei,
wozu als fünfte noch eine besondere Vergolderclasse kam. Man sieht
schon hieraus, dass kein Feld unberücksichtigt war, dass aber auch ein
möglichst hohes Kunstziel angestrebt wurde. Man war sich vollkommen
klar darüber, dass es eine bestimmte Grenze zwischen hoher und niederer
Kunst nicht giebt, dass, wer diese oder jene betreiben will, überhaupt
ein fertiger Künstler sein muss. Wer auf Porzellan oder auf welchem
Material sonst immer Figuren zu malen hat, muss eben gelernt und fertig
gelernt haben Figuren zu zeichnen und zu malen. Die Grundsätze, welche
Sorgenthal hier anwendete und mit denen er zu so grossen Erfolgen
gelangte, sind keine anderen, als wie sie gegenwärtig in der Kunst
gewerbeschule des Oesterreichischen Museums die leitenden sind. Was
hier im Allgemeinen für die Kunstindustrie gilt, das hatte Sorgenthal
für sein specielles Gebiet, aber im weitesten Sinne, angewendet. Da die
Künstler in der Anstalt selbst gebildet wurden — und das ist wohl ein
Vorzug —, so wuchsen sie auf in der Bekanntschaft des Materials,
wussten, was ihm passe und was sie von ihm verlangen konnten.
So entstand in der Fabrik eine ganze Schule von Malern, deren
Namen uns grossentheils erhalten sind. Unter ihnen sind zu nennen die
Figurenmaler Anton Schaller, Michael Weichselbaum, Claudius Herr,
Georg Lamprecht, Karl Schwemminger; die Landschaftsmaler Johann
Weichselbaum, Karl Scheidl, Jacob Petter; die Blumenmaler Leopold
Parmann, Joseph Hinterberger, Franz Hirschler; die Ornamentisten und
Goldmaler Schindler, Gärtner, Perl, Bittner, Kothgasser, Gebrüder Sturm,
Friedl und Reichel. Auch Jacob Schufried und Michael Daffinger waren
Lehrlinge der Porzellanfabrik. Beide werden zuerst im Jahre 1801
genannt. Im Jahre 1804 errang Daffinger bei der Prüfung der Maler-
classen einen ersten Preis in der Figurenabtheilung und neben ihm Lieb;
in der Landschaftsmalerei war es Karl Scheidl, in der Blumenmalerei
Joseph Nigg und in der Ornamentclasse Anton Kothgasser, welche
die ersten Preise davontrugen. In dem gleichen Jahre trat Lorenz Herr
in die Blumenmalerclasse ein. Viele von diesen Namen finden sich nicht
selten auf den noch erhaltenen Arbeiten der Fabrik, ein Zeichen, welchen
Werth man auf die künstlerische Ausführung legte. Mit dem nachfolgenden
Sinken der Fabrik sank freilich auch ihre Schule, doch ist ihre Nach
wirkung noch heute in der Wiener Blumenmalerei erkennbar und anderer-
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