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Ais Sorgenthal 1784 die Leitung der Fabrik übernahm, stand
die ganze Abtheilung der Malerei unter der Direction von Schindler.
Nach dessen Tode (14. August 1793) bewarb sich Johann Drechsler,
„Professor der Erfindungskunst an der Fabrikantenschule der kaiserlichen
Akademie der bildenden Künste“ um seine Stelle, aber nicht er, sondern
Anreiter wurde Schindler’s Nachfolger. Als Anreiter 1801 starb, folgte
ihm, wie schon angegeben, Georg Perl bis 1806.
Damals, 1784, war es um die Bildhauerabtheilung, welche auch
die Erfindung der Gefässformen zu besorgen hatte, schlecht bestellt.
Modellmeister war der alte Matthäus Niedermayr, der schon 76 Jahre
zählte. Aber er starb noch in demselben Jahre, nicht lange nachdem
Sorgenthal die Administration angetreten hatte. Sein Nachfolger wurde
Anton Grassi, der bedeutendste Bildhauer und Modelleur, den die
Porzellanfabrik gehabt hat. Von ihm heisst es schon 1783 in dem oben
erwähnten Memoire des jüngeren Niedermayr: „Der Modelleur Grassi,
ein junger, sehr geschickter Künstler, würde sich sehr gut zu seinem (des
alten Modellmeisters) Adjuncten schicken, und er würde sich diesen Ver
richtungen gern unterziehen, wenn man ihm die Anwartung auf die
dereinstige Modellmeisterstelle zusicherte. Er hat Geschmack und Kennt
nisse und ist in dem ganzen Personal der einzige, von dem die Fabrik
alle die zu diesem Dienst erforderlichen Eigenschaften erwarten darf.“
Grassi war zu Wien im Jahre 1755 geboren als der Sohn eines
Galanterie-Arbeiters. Nach dem gewöhnlichen Elementarunterrichte be
suchte er die Akademie und wurde Schüler Messenhausers, der ihn in
sein Haus aufnahm. Dann wurde er vom Hofstatuar Beyer bei der
Anfertigung der Statuen im Schönbrunner Garten verwendet. Auf Em
pfehlung des Fürsten Johann von Dietrichstein kam er noch unter
Hofrath von Kessler als Modelleur an die Porzellanfabrik (1778), wo er
sechs Jahre darauf (1784) als Modellmeister die erste Stelle eines Bild
hauers und zehn Jahre später mit die Oberleitung der gesammten Kunst-
classen erhielt. 1792 konnte er seinen Wunsch einer Reise nach Italien
erfüllen, indem er einen Urlaub auf achtzehn Monate erhielt und die
Fabrik ihm die Kosten der Reise und des Aufenthaltes bezahlte. Auch
in Italien war er für die Fabrik thätig, indem er Modelle und Kupfer
stiche für sie erwarb, Gipsabgüsse nach den Antiken kaufte und fleissig
zeichnete und skizzirte, was die Fabrik brauchen konnte. 1797 wurde
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