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Bilder der grossen Meister in den Wiener Galerien. Darunter sind uns
aber, wenigstens soweit unsere Erinnerung reicht, aus dieser Periode
niemals, religiöse Gemälde vorgekommen. Ein richtiges Gefühl hielt davon
ab, sie durch den Gebrauch auf dem Speisegeschirr zu profaniren, wenn
dieses Geschirr auch nur dem Luxus dienen sollte. Es war aber Sitte
sowohl des Hofes wie der vornehmen Familien, diese reichgeschmückten
Teller für das Dessert in Gebrauch zu nehmen. Am häufigsten sind wohl
die Bilder von Rubens auf Porzellan copirt worden. Es geschah aber erst
in der nachfolgenden Periode, dass man vom Schmuck der Gefässe absah
und selbständige Porzellangemälde auf Platten herstellte, die gleich Oelgemälden
zur Verzierung der Wohnungen dienten.
Wie der bildliche Schmuck, so hatte auch das eigentliche Ornament
einen völlig anderen Charakter angenommen und wurde zugleich mit
höchster Sorgfalt behandelt. In Wahrheit beruht auch gerade auf der
Schönheit und dem Reichthum des Ornaments einer der Hauptvorzüge
und Reize des heute so gesuchten Wiener Porzellans aus dieser Periode.
Der Willkür des Rococo gegenüber ist der Hauptcharakterzug durchaus
der der Regelmässigkeit; das Ziel ist, durch Leichtigkeit (daher auch diese
Muster »leichte Dessins« genannt werden), durch Anmuth, Zartheit und
Feinheit den entsprechenden Effect zu machen. Die Zeichnung ist zum
Theil völlig neu und eigenthümlich, zum grossen Theil nimmt sie auch
pompejanische Motive auf, entweder blos im Arrangement, oder in Einfügung
kleiner Bildchen, schwebender Genien und dergleichen. Das alles
ist stets mit der höchsten Delicatesse ausgeführt und das oben erwähnte
erhabene oder aufgetragene Gold reichlich dabei verwendet. Die zahlreich
vorhandenen Beispiele, die Zeichnungen, welche die Fabrik selbst dem
Oesterreichischen Museum hinterlassen hat, legen Zeugniss ab, mit welcher
Freiheit der Erfindung und welcher Natürlichkeit zugleich dieses Ornament
gehandhabt wurde.
Aber gerade bei diesem Werthe, den man auf die verzierende
Malerei legte, ist es höchst auffallend, wie die Form der Gefässe so ganz
vernachlässigt, oder wenn nicht vernachlässigt, doch so ganz unausgebildet
erscheint. In der vorigen Periode willkürlich, selbst die Symmetrie
verlassend, erscheinen die Tassen, Kannen, Dosen, Schüsseln und Schalen
jetzt auf einmal steif aus geraden Linien und in Winkeln zusammengefügt,
in Formen, für die man gewiss in der Antike keine Vorbilder fand. Erst