MAK

Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

31 
in der nachfolgenden Periode, die allerdings Anfangs die Sorgenthalische 
Richtung nur fortzusetzen trachtete, tritt auch der Einfluss antiker Vasen 
formen auf. Eine Ursache für die Steifheit und Geradlinigkeit der Formen 
und den Mangel an Schwung und Bewegung in der Periode, welche dem 
Rococo folgte, liegt wohl eben mit in der Regelmässigkeit der Ornamente, 
welche sich den cylindrischen Formen leichter anpassen Hessen als solchen 
mit geschweifter Linie. 
Obwohl somit erklärlich, ist diese Thatsache der Steifheit und der 
Armuth der Gefässformen doch immer bemerkenswert^ zumal wenn man 
bedenkt, dass die Plastik als solche keineswegs missachtet oder vernach 
lässigt wurde. Schon die Anstellung Grassi’s beweiset ihre Bedeutung. 
Aber es ging doch, abgesehen von dem Kunststil, eine bezeichnende 
Veränderung mit der Plastik vor. Sie löste sich von dem Geschirr und 
wurde eine selbständige Kunst. 
Dieser Selbständigkeit stand Anfangs noch der Einfluss von Wedg 
wood entgegen, dessen Jasperwaare, d. h. die unglasirten gefärbten Gefässe 1 
mit aufgesetzten weissen Reliefmedaillons in Art antiker Onyxarbeiten, 
viele Nachahmung fand und auch in Wien ganz vorzüglich gemacht 
wurde. Aber diese Art, rauh und unangenehm in der Hand, daher mehr 
zum Schmuck als Gebrauch geeignet, hielt sich nicht auf die Dauer und 
bildet nur eine Episode. Diejenigen Arbeiten dieser Periode, welche zum 
Gebrauche bestimmt und überhaupt für sie charakteristisch sind, tragen 
keine Reliefverzierung. 
Um so freier erging sich die losgelöste, selbständig gewordene 
Plastik; sie betrachtet sich vollständig als eine freie Kunst, gross im Stil, 
wenn auch klein in den Dimensionen; nur einige lebensgrosse Biscuit- 
gruppen, welche im Oesterreichischen Museum aufbewahrt werden, zeigen, 
wie gerne man auch in die grosse Kunst hinübergegriffen hätte. Von 
der Vergangenheit sagt sich diese Kunst vollständig los, im Stil, in den 
Motiven wie in der Behandlung oder Auffassung des Materials. Die 
Rococoperiode hatte aus Porzellan Einzelfiguren und Gruppen gebildet, 
aber mehr als kleine, piquante Spielereien, denn aus höherem künstlerischen 
Gesichtspunkt; sie hatte sie glasirt und bemalt und stand auch damit in 
Widerspruch mit der grossen Sculptur. Nun kamen aber neue Ideen und 
Ansichten; in Nachahmung und im Studium sollte in der Plastik der edle, 
reine und hohe Stil wieder hergestellt werden. Dieses Bestreben gelangte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.