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in der nachfolgenden Periode, die allerdings Anfangs die Sorgenthalische
Richtung nur fortzusetzen trachtete, tritt auch der Einfluss antiker Vasen
formen auf. Eine Ursache für die Steifheit und Geradlinigkeit der Formen
und den Mangel an Schwung und Bewegung in der Periode, welche dem
Rococo folgte, liegt wohl eben mit in der Regelmässigkeit der Ornamente,
welche sich den cylindrischen Formen leichter anpassen Hessen als solchen
mit geschweifter Linie.
Obwohl somit erklärlich, ist diese Thatsache der Steifheit und der
Armuth der Gefässformen doch immer bemerkenswert^ zumal wenn man
bedenkt, dass die Plastik als solche keineswegs missachtet oder vernach
lässigt wurde. Schon die Anstellung Grassi’s beweiset ihre Bedeutung.
Aber es ging doch, abgesehen von dem Kunststil, eine bezeichnende
Veränderung mit der Plastik vor. Sie löste sich von dem Geschirr und
wurde eine selbständige Kunst.
Dieser Selbständigkeit stand Anfangs noch der Einfluss von Wedg
wood entgegen, dessen Jasperwaare, d. h. die unglasirten gefärbten Gefässe 1
mit aufgesetzten weissen Reliefmedaillons in Art antiker Onyxarbeiten,
viele Nachahmung fand und auch in Wien ganz vorzüglich gemacht
wurde. Aber diese Art, rauh und unangenehm in der Hand, daher mehr
zum Schmuck als Gebrauch geeignet, hielt sich nicht auf die Dauer und
bildet nur eine Episode. Diejenigen Arbeiten dieser Periode, welche zum
Gebrauche bestimmt und überhaupt für sie charakteristisch sind, tragen
keine Reliefverzierung.
Um so freier erging sich die losgelöste, selbständig gewordene
Plastik; sie betrachtet sich vollständig als eine freie Kunst, gross im Stil,
wenn auch klein in den Dimensionen; nur einige lebensgrosse Biscuit-
gruppen, welche im Oesterreichischen Museum aufbewahrt werden, zeigen,
wie gerne man auch in die grosse Kunst hinübergegriffen hätte. Von
der Vergangenheit sagt sich diese Kunst vollständig los, im Stil, in den
Motiven wie in der Behandlung oder Auffassung des Materials. Die
Rococoperiode hatte aus Porzellan Einzelfiguren und Gruppen gebildet,
aber mehr als kleine, piquante Spielereien, denn aus höherem künstlerischen
Gesichtspunkt; sie hatte sie glasirt und bemalt und stand auch damit in
Widerspruch mit der grossen Sculptur. Nun kamen aber neue Ideen und
Ansichten; in Nachahmung und im Studium sollte in der Plastik der edle,
reine und hohe Stil wieder hergestellt werden. Dieses Bestreben gelangte