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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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Wissenschaft, welcher bis dahin Professor der Physik am Theresianum 
gewesen war. Im Januar wurde Niedermayr zum Hofrath ernannt und 
gleichzeitig Professor Peter Joris zum Adjuncten, sowohl für die Por 
zellanfabrik wie für die Spiegelfabrik, deren Leitung schon bisher seit 
Sorgenthal mit jener verbunden gewesen war. Joris war ein vielseitiger 
Mann und vielleicht für das Technische nicht ungeeignet. Geboren 1768, 
war er von 1790 an Kanzlist bei der obersten Justizstelle und supplirte 
den Professoren der Physik, Naturgeschichte und Oekonomie an der 
damaligen Real-Akademie der Universität. Man rühmte ihm vielerlei 
Kenntnisse nach, zu deren Verwendung er wohl reiche Gelegenheit in 
seiner neuen Stellung fand. Er blieb in derselben bis an seinen Tod im 
Jahre 1825. Niedermayr zählte damals bereits fünfundsiebzig Jahre und 
stand an der Fabrik im fünfundfünfzigsten Dienstjahre. Er bedurfte daher 
sofort eines neuen Adjuncten und erhielt diesen wiederum in einem Manne 
der Wissenschaft, in dem Chemiker Dr. Benjamin Scholz (1827), Pro 
fessor an der Technik. Dieser wurde auch sein Nachfolger al^ Director, 
da Niedermayr zuerst am 24. Februar 1827 in den Ruhestand versetzt 
wurde und am 24. October 1829 aus dem Leben schied. 
Gleichzeitig trat auch ein anderer der verdienten Männer aus der 
Sorgenthalischen Epoche in den Ruhestand, der Arcanist und Vorsteher 
der Malerei, Joseph Leithner. Er war fünfundsiebzig Jahre alt und hatte 
der Fabrik siebenundfünfzig Jahre gedient. Seine erste Anstellung hatte 
er im Jahre 1770 als Buntmaler erhalten; 1785 war er zum Obermaler 
ernannt worden, mit der Aufsicht und dem Unterricht in der Blumen 
malerei. Dann warf er sich mehr auf die technische Seite, mühte sich 
um die Erfindung neuer Farben und erwarb sich auf diesem Gebiete 
mannigfache Verdienste, deren schon oben gedacht worden. 1791 hatte 
er sein Decret als Chymist und Arcanist der Fabrik erhalten und zwei 
Jahre darauf wurde er dazu Vorsteher der Malerei, gewiss ein Zeugniss 
für seine Bedeutung und vielseitige Verwendung. Am 3i. December 18x3 
hatte er in Anerkennung seiner vielen Verdienste die grosse goldene Civil- 
Ehrenmedaille erhalten. Das sogenannte Leithnerblau (Kobaltblau) hatte 
er im Jahre 1792 erfunden. Als seinen Nachfolger hinterliess er seinen 
Sohn Franz, der bereits Adjunct des Arcanisten gewesen war. 
Dieses Hinwegsterben der alten, aus der künstlerischen Schule 
hervorgegangenen Mitglieder der Fabrik konnte bei dem Wechsel der
	        
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