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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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der That das erreicht, dass selbst ein kleiner Gewinn erzielt wurde. Das 
Jahr 1836 z. B. zeigte einen Ueberschuss von io.58o Gulden, der aber 
nicht so sehr auf Rechnung des äusseren Erfolges, als des billigeren 
Betriebes und der Herabsetzung der Preise für die Waarenvorräthe zu 
stellen ist. Diese Vorräthe hatten im Jahre 1840 einen Werth von 
201.556 Gulden. In diesem Jahre wurden 209.086 Stück fabricirt, im 
nächsten Jahre 1841 aber 1 g5.192 .Stück, darunter 799 Stück, welche als 
Kunstgegenstände bezeichnet werden konnten. So sehr überwog die billige 
und praktische Waare. Hundert Stück hatten im Durchschnitt nur einen 
Werth von 61 Gulden. So war in der That die Kunst zur Waare 
geworden. 
Baumgartner verliess die Fabrik bereits im Jahre 1843 und hatte 
zu seinem Nachfolger wiederum einen Chemiker, Franz Freiherrn von 
Leithner, den bisherigen Director der k. k. chemischen Productenfabrik 
in Nussdorf. Derselbe wurde am 11. März 1843 zum Director ernannt. 
Leithner erhielt die Aufgabe, mit allen Mitteln dahin zu trachten, dass 
der damalige Stand der Fabrik behauptet werde, dass Einnahmen und 
Ausgaben mindestens sich im Gleichen hielten und die Fabrik in keiner 
Weise dem Staate Kosten verursache. Dabei konnte dann weder auf die 
artistische, noch auf die technische Ausbildung viel geachtet werden. Die 
Fabrik musste auf den Erwerb bedacht sein, worin sie allerdings durch 
die reichlichen Lagervorräthe unterstützt wurde. Allein auch in dieser 
Beziehung wurde alle Berechnung und Voraussicht durch das Jahr 1848 
mit seinen Unruhen getäuscht. Der Absatz schwand so, dass die Direction 
sich genöthigt sah, vom Staate Vorschüsse zu verlangen, welche noch 
nicht zurückgezahlt waren, als Baron Leithner 1854 starb. Trotzdem hatte 
man versucht, sich auch künstlerisch einigermassen zu behaupten, und 
mit Hülfe der alten noch vorhandenen künstlerischen Kräfte die Londoner 
Ausstellung von 1851 und die deutsche Industrieausstellung in München 
vom Jahre 1854 beschickt. 
Viel war es nicht, was noch von Künstlern übrig war, und noch 
viel weniger war Geschmack und Kunsturtheil vorhanden, ein Fehler, 
an dem übrigens nicht Wien allein, sondern die ganze Zeit, die ganze 
Kunstindustrie krankte. Der Verfall auch in dieser Beziehung datirt, wie 
schon angegeben, noch aus der Periode Niedermayr’s, insbesondere aus 
seinem letzten Jahrzehnt.
	        
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