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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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thalischen Periode litten, wie oben ausgeführt, an zu grosser Steifheit 
und Geradlinigkeit; seit dem Jahre 1810 etwa kommt vielmehr wieder 
etwas Schwung der Linien hinein mit mehr oder weniger ausgesprochener 
Benützung antiker Thongefässe. Aber diese zuweilen recht hübschen 
Formen verschwanden meistens wieder vor abgelebten Rococomotiven. 
Nicht so ist es mit der Decoration der sogenannten leichten Dessins. Hier 
gab es seit i8o5 keinen Fortschritt mehr. Vielmehr kann man schon sehr 
bald beobachten, wenn man die nach wie vor mit der Jahreszahl bezeich- 
neten Gefässe vergleicht, wie die Freiheit der Phantasie, der Reichthum 
der Erfindung, die liebenswürdige Eleganz der Zeichnung nachlassen. Die 
ornamentalen Compositionen werden ärmer, ungefälliger und sodann 
durch das Hinzutreten der naturalistischen Blume roher und plumper, 
bis diese letztere Verzierung noch allein herrscht. Auch die kleinen genre 
haften oder landschaftlichen Gemälde verschwinden mehr und mehr. 
Was noch unter Niedermayr unbewusst durch die Strömung der 
Zeit geschah, das wurde unter seinen Nachfolgern von oben her noch 
unterstützt. Die Vernachlässigung der Kunst, die Verfolgung lediglich 
geschäftlichen und materiellen Vortheils, wie oben schon dargestellt worden, 
wurde Tendenz. Sie bedachten nicht, dass sie damit die Existenz der 
Fabrik selbst untergruben. Sobald, wie es in neuerer Zeit geschehen, der 
nationalökonomische Satz angenommen war, dass der Staat kein Fabrikant 
ist, so hatte die Fabrik nur noch eine Berechtigung als Kunstanstalt, welche 
ideale Ziele verfolgt, den anderen Concurrenten mit Versuchen und Mustern 
voraufgeht und die kunstvolleren Gegenstände, zu denen die Privatfabrik 
sich nicht zu erheben wagt, für sich nimmt. Dass hiermit auch ein 
geschäftlicher Vortheil verbunden sein kann, hat die Verwaltung Sorgen- 
thal’s gezeigt. Diese Berechtigung wurde ihr von den folgenden Directoren 
durch Befolgen des rein geschäftlichen Weges genommen. 
Kostete die Fabrik dem Staate nichts, so brachte sie ihm auch 
keinen Gewinn, weder einen materiellen noch einen idealen. Sie liess 
die Kunst verfallen und die Künstler aussterben; neue traten nicht wieder 
an ihre Stelle, da bei der eingeschlagenen Richtung kein Bedürfniss darnach 
war. Höchstens gab es noch Blumenmaler in naturalistischer Richtung, 
mit welcher Decorationsart man vollkommen aller Kunst zu genügen 
glaubte. Für grössere oder bedeutendere Aufgaben, die der Hof zu 
weilen verlangte, wurden allenfalls griechische Vasenformen copirt oder
	        
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