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adaptirt und mit Blumen geschmückt. Ein sehr interessantes und charak
teristisches Beispiel dieser Art entstand in den Jahren 1821 bis 1824.
Der Hof beabsichtigte dem Könige Georg IV. mit einem grossen Speise
service ein Geschenk zu machen, und es wurde mit aller Kunst von
den ersten damaligen Kräften hergestellt, ein volles Speiseservice, aus
gestattet mit Fruchtschalen und einer Anzahl grosser Vasen, welche
antike Krater- oder Amphorenform hatten. Die Verzierung bestand in
drapgelben Rändern und Gründen mit reicher Vergoldung und natura
listischen Blumen und Blumenbouquets in freier Anordnung. Von jenen
berühmten und ausgezeichneten „leichten Dessins“, wie sie kaum zehn
Jahre vorher noch so vortrefflich gewesen waren, zeigt sich keine Spur
mehr. Form, coloristische Haltung, Ornamentation, alles gleich schwer
fällig. Es kam nicht zu diesem Geschenk — man hatte vergebens einen
Besuch des Königs erwartet, und wie es heisst, hatte dieser einige Körbe
Tokayer vorgezogen. Später, da man wegen des Namenszuges sonst
keinen Gebrauch von diesem Service machen konnte, wanderte es ge-
theilt mit der ostasiatischen Expedition nach Siam und Japan. Ein Rest
blieb dem Oesterreichischen Museum.
Nach dem Tode Leithner’s gab es in der Fabrik ein Interregnum.
Erst am 6. Januar 1856 wurde Alexander Löwe, General- und Haupt-
probirer im Münzamte, zum Director der Fabrik ernannt. Obwohl Löwe
seinen Studien nach Chemiker, war er es doch, der des gemachten
Fehlers inne wurde und erneuert der Fabrik eine künstlerische Richtung
zu geben trachtete. Doch fehlte es ihm an Unterstützung und somit an
den Mitteln, um in energischer Weise vorzugehen. Da die Tradition
mit der idealen Periode Sorgenthal’s und Niedermayr’s längst unterbrochen
war, so musste von Neuem begonnen werden. Es fehlte an Künstlern
für das Porzellan, es fehlte an Modellen und Vorbildern in Form und
Ornament, es fehlte selbst an einem Kunststil, an den man sich anlehnen
konnte. Indessen geschah, was möglich war. Ein vorzüglicher Arcanist,
der Chemiker Kosch, der noch heute als Leiter des chemischen Labora
toriums am Oesterreichischen Museum auf dem Gebiete der Kunstindustrie
thätig ist, unterstützte die Bestrebungen in ausgezeichneter Weise, brachte
das erhabene Gold, einst die Specialität von „Alt-Wien“, wieder zur
Anwendung und wusste auch den Ueberdruck lithographischer Ornamente
mit Emailfarben auf Porzellangeräth zur praktischen Verwerthung zu
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