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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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bringen. Die alten Zeichnungen der Fabrik, die noch einen wahren 
Schatz reizender Ornamentationen enthalten, wurden gesammelt und 
zum Theil wieder verwendet, ein kleines Museum von Porzellangegen 
ständen verschiedener Fabriken, wofür so gut wie gar keine Mittel zu 
Gebote standen, geschaffen und endlich eine Kunstbibliothek angelegt. 
Statt der berufenen Porzellankünstler musste man sich einstweilen an 
Architekten wenden, die zwar auf diesem Gebiete langweilige Formen 
zu schaffen pflegen, aber immerhin noch bessere, als was neben ihnen 
gemacht wurde. Insbesondere verdankt die Fabrik noch dem Archi 
tekten und Decorationszeichner Anton Groner eine Anzahl hübscher 
Decorationen für Tassen und Teller. 
Aber alle diese Bemühungen, welche bei dem erwachten neuen 
Eifer für die Kunstindustrie, bei den neu gegründeten Museen und 
Schulen zur Hebung des Geschmacks im Gewerbe wie im Publicum, 
ohne Zweifel zu einem günstigen Resultat geführt hätten, sollten umsonst 
sein. Die Geschmacksreform unserer Tage, deren NothWendigkeit und 
Nützlichkeit heute in aller Bewusstsein und Ueberzeugung lebt, war da 
mals vor der zweiten Londoner Ausstellung (1862) noch nicht von Eng 
land auf den Continent herübergekommen. Wenige Jahre später hätte 
man wahrscheinlich anders geurtheilt. War es die Concurrenz der Privat 
fabriken gewesen, welche zuerst gegen das Jahr 1820 den Absatz der 
kaiserlichen Fabrik geschädigt hatte, so war es nun auch dieselbe, welche 
sie ganz zu Falle brachte. 
Mit Benützung des Grundsatzes, dass eine Staatsfabrik keine Be 
rechtigung hat, wurde im ersten Reichsrath unter dem Ministerium 
Schmerling der Antrag auf Aufhebung der Fabrik gestellt. Der Antrag 
wurde angenommen, das Ministerium stimmte zu, und bis zum Jahre 
1864 wurde die völlige Auflösung der Fabrik durchgeführt. In Hof und 
Publicum folgte allgemeines Bedauern, das umsomehr wuchs, je weniger 
in den folgenden Jahren die österreichischen Privatfabriken zu künst 
lerischen Reformen sich geneigt zeigten. 
Wenige Jahre darauf sollte die beiden anderen berühmten deutschen 
Staatsfabriken, die von Meissen und Berlin, das gleiche Schicksal treffen. 
Es handelte sich bei beiden um einen Neubau, und der Moment wurde 
von ihren Gegnern benutzt, um mit Berufung auf den Wiener Vorgang 
auch ihre Aufhebung zum Beschluss zu bringen. Schon war die Gefahr
	        
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