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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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Als Arbeitsmaterialien braucht die Fabrik Porzellanerde oder Kaolin, welche sie 
von Passau, von Prinzdorf in Ungarn und von Brenditz in Mähren bezieht; eisenfreien 
Quarz, der von Schildern im V. O. M. B. herbeigeschafft wird, und Gips, den man 
ihr aus dem Salzburgischen zuführt. Der Thon zu den Kapseln kommt von Göttweih, 
Pöchlarn und Dross in Oesterreich unter der Enns. 
Die drei genannten Porzellanerden werden gestossen und durch Sieben von den 
gröberen Unreinigkeiten befreit. Dann werden sie sorgfältig geschlemmt. Die geschlemmten 
Erden werden getrocknet, dann gestossen und gesiebt und kommen so in der Form 
eines feinen Mehls in die Mengkammer. In der Mengkammer versetzt man diese 
Ingredienzen nach genau bestimmten Verhältnissen. Zu fünf bis sechs Theilen Porzellan 
erde oder Kaolin kommen ein Theil Feldspath, ein Theil Quarz und ein drittel Theil 
Gips. Zu der Masse, welche für Bildwerke und Biscuit bestimmt ist, kommt ein etwas 
grösseres Verhältniss von Feldspath als Flussmittel. Die so versetzten Materialien lässt 
man zur inneren Vermengung mit etwas Wasser angemacht unter einem mittelst einer 
Rossmühle bewegten Mühlsteine breiartig dreimal durchgehen. Den dünnen, feinen 
Brei, welcher G e s c h led e r heisst, trocknet man dann, zerklopft ihn wieder, bringt ihn 
mit einer hinlänglichen Masse frischen Geschleders zu einem steifen Teige, formt ihn 
in Ballen, schlägt diese in Fässer und überlässt sie an einem massig feuchten Orte 
durch ein ganzes Jahr einer eigenen, der Fäulniss ähnlichen Gährung, die man das 
Rotten heisst. Die durch das Rotten plastischer gewordene Masse wird mit den von 
den Drehern abfallenden Theilen oder dem Geschnitze, wenn solches vorhanden ist, 
vermengt, auf steinernen Tafeln dreimal durchgeschnitten und wie ein Teig geknetet 
und geschlagen, um alle gröberen, verunreinigenden Theile auszuscheiden, ja selbst die 
eingeschlossene Luft auszntreiben und sie dadurch möglichst gleichartig zu machen. 
Jeder Massamacher versieht die von ihm zubereiteten Massaballen mit seinem Zeichen, 
und gibt sie so an eine bestimmte Zahl ihm zugewiesener Weissdreher ab, die nur von 
ihm mit Massa versehen werden. 
Die auf der Töpferscheibe gedrehten oder in Gipsformen geformten oder auf 
beide Arten zugleich erzeugten Waaren werden lufttrocken gemacht, geputzt und dann 
in eigenen Oefen verglüht, d. h. einer Rothglühhitze von 8—io° des Wedgwood’schen 
Pyrometers ausgesetzt, wodurch sie wohl an Festigkeit gewinnen, aber die Eigenschaft 
Wasser einzusaugen noch im vollen Masse behalten. Was blau gemalt werden soll, 
erhält diese Farbe gleich nach dem Verglühen in der ßlaumalerei mittelst gerösteten 
und in Wasser fein geriebenen Kobalts. 
Das verglühte Porzellan, es mag nun blau gemalt worden sein oder nicht, 
kommt zum Glasuren. Die Glasurmasse, welche sich von der Porzellanmasse nur 
durch ein grösseres Verhältniss des Flussmittels unterscheidet und durchaus keine 
metallischen Theile enthalten darf, besteht aus gleichen Theilen, fein gepulvert, von 
verglühtem Porzellan und Quarz. Diesen zwei Ingredienzen wird als Flussmittel 
kohlensaurer Kalk, der von Maria-Zell in Obersteiermark bezogen wird, in vier 
verschiedenen Verhältnissen zugesetzt, je nachdem sie streng- oder leichtflüssiger werden
	        
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