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Full text: Die k. k. Wiener Porzellanfabrik : ihre Geschichte und die Sammlung ihrer Arbeiten im k. k. Oesterreich. Museum

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soll. Diese drei Materialien werden trocken zusammengemengt, auf einer Handmühle 
einmal abgerieben und geschlemmt. So kommt die Glasur nun in grosse, mit reinem 
Wasser gefüllte Bottiche, wo sie beim Gebrauche mit einem Stocke zu einer trüben 
Flüssigkeit aufgerührt wird, in welche die verglühte Waare eingetaucht oder durch 
welche sie nur gezogen wird. Kaum hat die Waare diese trübe Flüssigkeit verlassen, 
so sieht sie wieder ganz trocken und wie mit einem feinen Staube (der die blaue 
Malerei verschwinden macht) bedeckt aus, weil das Wasser eingesogen worden, die 
darin schwebende Glasurmasse aber auf der Oberfläche wie auf einem Filtrum gleich 
förmig verbreitet zurückgeblieben ist. 
Nachdem die Glasur an einigen Stellen mit dem Pinsel ergänzt, von anderen, 
um beim Starkbrennen das An- und Zusammenschmelzen zu vermeiden, abgeschabt 
worden ist, werden die Gefässe in die aus dem feuerfesten Thon verfertigten Kapseln 
auf eigene Untersätze, die auch aus Kapselthon gemacht, aber zur Verhinderung des 
Anfliessens der darauf stehenden Porzellanstücke mit feinem Quarzsande bedeckt werden, 
gestellt; die Kapseln werden verschmiert und das Porzellan kommt nun so in den 
Starkbrennofen. Kaffeebecher und Tassen und mehrere andere Stücke, die man vollkommen 
rund erhalten will, werden zu zwei und zwei mit den Rändern auf einander gestellt, 
jedoch zur Verhinderung des Anschmelzens mittelst eines kleinen Kranzes aus demselben 
mit feinem Quarzsand bestrichenen Thon getrennt gehalten. Was Biscuit werden soll, 
z. B. Statuen, Büsten, welche durch die Glasur das marmorähnliche Ansehen, und 
durch ihr Zusammenfliessen in den tieferen Stellen und Eindrücken die Schärfe der 
Züge und den grössten Theil ihrer Schönheit verlieren würden, kommt ohne Glasur 
in das Starkfeuer. Jedes grosse Stück, als Schüsseln, Teller, Töpfe und dergl., hat eine 
eigene Kapsel; von kleinen Stücken, z. B. Kaffeeschalen, kommen mehrere in eine 
Kapsel. 
Weil die Versuche, die strengflüssige Wiener Porzellanmasse in runden Oefen 
zu brennen, kein günstiges Resultat ergeben haben, so ist man mit geringen Abänderungen 
bei den liegenden oder langen Oefen stehen geblieben, deren sich die Fabrik beinahe 
seit ihrer Entstehung bedient. 
Die Besetzung des Ofens wird in den Ober- und Untereinsatz eingetheilt. 
Der Untereinsatz zählt acht Reihen, die von der Feuerseite gegen die Schlotseite hinter 
einander stehen. Jede Reihe besteht aus fünf in den für den Luftzug nothwendigen 
Zwischenräumen neben einander stehenden Kapselsäulen, wovon in jeder wieder vier 
Kapseln über einander stehen, also im Ganzen aus 160 Kapseln, wovon die ersten, wegen 
der zu heftigen und ungleichen Wirkung des Feuers, leer gelassen, die übrigen aber 
mit kleinen Stücken, als: Becher, Tassen und dergl. gefüllt sind. Auf diesen wird dann 
der Obereinsatz so gestellt, dass die Flamme um jede Kapselsäule frei hinspielen kann; 
er enthält in 80—90 Kapseln ebenso viele grosse Porzellanstücke, als: Schüsseln, Teller, 
Töpfe u. s. w. 
Nach den mit Wedgwood’s Pyrometer gemachten Versuchen steigt die Hitze 
in den zwei ersten Reihen von i5o—160 0 , in der dritten und vierten Reihe von i3o° 
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