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bis 140 0 , in der fünften und sechsten von 120—i3o", in der siebenten und achten von
110 — 120 0 . Je nachdem die Geschirre in einer von den ersteren oder letzteren Reihen
gebrannt werden sollen, müssen sie mit einer streng- oder leichtflüssigen Glasurcomposition
versehen werden. Diese acht Reihen nehmen nur sieben Schuh von der ganzen Länge
des Ofens ein; in dem noch übrig bleibenden Raume von fünf Schuh ist die Hitze
schon zu schwach, als dass sich die Wiener Porzellanmasse darin gar brennen liesse;
er wird daher entweder mit schon gebrauchten, etwas beschädigten Kapseln gefüllt
oder zum Brennen von feuerfesten Ziegeln benützt.
Nach dem Einsetzen wird die Einsatzthüre vermauert bis auf eine kleine
Oeffnung, durch welche man zu den drei kleinen, die glasirten Probescherben enthaltenden
Kapseln gelangen kann; diese Oeffnung ist auch während des Brennens mit einem
Zapfen (Stöpsel) geschlossen. Das Einsetzen beschäftigt zwei Arbeiter einen ganzen Tag.
Am folgenden Tage fängt man zu feuern an. Man verstärkt das Feuer nur
allmälig, so dass erst nach drei Stunden der ganze Feuerherd mit Holz belegt ist.
Nach 12—16 Stunden ist die Flamme gewöhnlich rein und das Innere des Ofens ganz
weissglühend. Wenn nun die bei dem Probezeichen herausgenommenen Scherben eine
ganz glatte und rein geflossene Glasur zeigen, so ist das Porzellan gar und der Brand
geendigt. Jeder Brand kostet 2 x / 4 bis dritthalb Klafter Holz. Die Dauer des Brennens
und die dazu nothwendige Holzmenge ist übrigens von der Beschaffenheit der Witterung,
des Windes, des Ofens, des Holzes und von dem Fleisse des Brenners abhängig. Der Ofen
braucht drei Tage zum Abkühlen; dann nimmt man durch die schon früher aufgebrochene
Einsatzthüre die Waaren heraus und sortirt sie, weil in so hohen Feuergraden immer
einiges verzogen, gekrümmt, gesunken, durch darauf gefallene Kapseltheilchen verunreinigt
sein muss, in gute Waare, Ausschuss und Povel. Man kann annehmen, dass im
Durchschnitt von 400 Tellern 60 zu Ausschuss werden. Manche mit abgeschmolzenen
Kapseltheilen verunreinigte Stücke werden durch eigene Glas- oder Steinschneider
abgeschliffen und brauchbar gemacht; auf diese Weise wird auch jenen Punkten, auf
denen sie während des Brennens standen, die Rauhigkeit genommen. Die blaue Malerei
wird nun unter der durchsichtig gewordenen Glasur wieder sichtbar. Das Wiener
Porzellan verliert beim Starkbrennen ein Siebentel am Umfange, worauf bei der Bereitung
von Sachen, die ein bestimmtes Mass halten sollen, geachtet werden muss.
Das blaue Porzellan ist nun fertig und Kaufmannswaare; das weisse Porzellan
aber wird auf der Glasur theils mit Metallen, theils mit Metalloxyden, die mit einem
Flussmittel versetzt und mit gereinigtem Terpentinöl zu einer mit dem Pinsel zu
handhabenden Masse angemacht sind, bemalt. Die Farben werden dann in den 2 1 /, 2 Schuh
hohen und langen, zwei Schuh breiten Muffeln, wovon jeder Emailofen zwei enthält,
theils mit Holz, theils mit Kohlen bei einer Temperatur von 14—18 0 Wedgwood,
bei welcher das Farbenflussmittel schmilzt und sich mit der Porzellanglasur innig
verbindet, eingebrannt. Nach drei Stunden sind gewöhnlich die Muffeln und alle darin
befindlichen Stücke weissglühend, und der Brand ist, wenn die herausgenommene
Probe gut befunden wird, geendigt. Jene Stücke, die eines öftern Uebermalens bedürfen,