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werden in Kohlenemailfeuer gebrannt; auch sehr zarte Farben, wie: rosenroth, purpur,
violett, gerathen in diesem besser. Das Einbrennen der Farben in den mit Holzkohlen
von allen Seiten belegten Muffeln ist schon in einer halben Stunde beendigt; die Stücke
sind aber dem Zerspringen und Misslingen mehr ausgesetzt als in den mit Flammenfeuer
geheizten Muffeln.
Die Fabrik besitzt 36 Hauptfarben, durch deren Vermischung und Behandlung
eine grosse Menge Nebenfarben hervorgebracht werden können. Unter diesen Farben
sind nur drei, welche ohne merkbare Veränderung das Starkfeuer aushalten: Uranschwarz,
Kobaltblau und Chromgrün. Man macht aber nur vom Kobaltblau Gebrauch, um auf
die eben beschriebene Art unter der Glasur zu malen. Mit einigen Farben, z. B. Gold
purpur und Kobaltoxyd, kann man über andere malen; andere, z. B. Schattirgrün aus
Kupferoxyd, werden blos zur Unterlage und Schattirung von diesen, daher mit wenig
Fluss versetzt, gebraucht. Die leichteren Nuancen werden in einer, die dunkleren Farben
in zwei, drei, auch vier Lager aufgetragen. In höchst fein vertheiltem, rein metallischem
Zustande werden blos Platin, Gold und Silber gebraucht, die man übrigens wie Farben
behandelt. Sie kommen matt wie eine braune oder graue Farbe aus dem Feuer und
erhalten ihren metallischen Glanz erst durch das Poliren mit den Achatsteinen. Die
Vergoldung, welche matt bleiben soll, kommt nach dem Poliren noch einmal in’s
Emailfeuer. Die Verzierungen von erhabenem Golde werden auf das schon einmal
gebrannte und polirte Gold mit dem Pinsel wie eine Farbe aufgetragen. Durch
Wiederholung der Arbeit kann man diese Verzierung so erhaben machen, dass sie wie
Basreliefs aussehen. Die Malereien mit Gold, welches durch Quecksilber gefällt worden
ist, sind dem Bronze ähnlich. Die Schönheit der Farben hängt von der Feinheit der
Metalle oder Metalloxyde, von der Qualität und Quantität des Flusses, von der
Beschaffenheit des Terpentinöls, von dem beim Aufträgen verwendeten Fleisse und von
dem Einbrennen ab. Eine vorzügliche Schwierigkeit bei Kunstgemälden auf Porzellan
besteht darin, dass die meisten Farben sich im Feuer verändern und der Künstler also
den Effect seiner Arbeit nicht sogleich während des Fortganges derselben beurtheilen
kann, sondern mit der Phantasie voranschreiten und sich vorstellen muss, in welchem
Zustande sein Werk aus dem Feuer kommen wird. Deswegen ist für die Porzellanmalerei
eine besondere Künstlerschule nothwendig. Man hat jener Schwierigkeit einigermassen
dadurch abgeholfen, dass man die Metalloxyde mit ihren Flüssen versetzt, vorher brennt
und dann wieder fein reibt. Manchmal gehen ganz fertige Kunstarbeiten, woran die
Künstler Monate lang gearbeitet haben, im letzten Emailfeuer zu Grunde und werden
zu Scherben
Am vollkommenen Porzellan sucht man folgende Eigenschaften:
1. Blendende Weisse ohne einen merklichen Stich in’s Gelbe, Blaue oder Graue
mit einem eigenen Grade angenehmer Durchscheinbarkeit.
2. Eine glatte, nicht wellige, rein spiegelnde Oberfläche.
3. Einen weissen, weder glasigen noch erdigen, sondern einen glatten, feinen,
nur etwas glänzenden, den Erden im Zustande der halben Auflösung eigenen Bruch.
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