de Brahe; von Aristarch (310—230 v. Chr.) erzählt Archimedes wörtlich: „Nach
seiner Meinung ist die Welt viel größer als soeben gesagt wurde, denn er setzt voraus,
daß die Sterne und die Sonne unbeweglich seien, daß die Erde sich um die Sonne
als Zentrum bewege und daß die Fixsternsphäre, deren Zentrum ebenfalls in der
Sonne liege, so groß sei, daß der Umfang des von der Erde beschriebenen Kreises
sich zu der Distanz der Fixsterne verhalte, wie das Zentrum einer Kugel zu ihrer
Oberfläche.“ Allerdings wurde Aristarchs Lehre heftig bekämpft — ein Schicksal,
welches er mit Kopernikus teilen sollte. Plato, der zunächst die Erde in den Mittel
punkt des Weltsystems stellte, rückte, nach Plutarch, gegen Ende seines Lebens
von dieser Meinung ab. Dennoch war die geozentrische Auffassung — die
Ptolemäische — für die Zukunft bestimmend. Daß die Erde Kugelgestalt hatte, war
unbestritten — Eratosthenes errechnet 280 v. Chr. den Umfang der Erde erstaunlich
richtig — im Gegensatz zu Ptolemäus, dessen falsche Umfangsbestimmung 1400 Jahre
später ungeahnte Folgen haben sollte. Bei diesem Stand der Erkenntnis nimmt es
nicht wunder, wenn das älteste erhaltene Modell der Darstellung des Himmels,
ein Himmelsglobus, aus dem griechisch-römischen Kulturkreis stammt. Der sog.
Farnesische Atlas, eine Skulptur von ca. 300 v. Chr., heute im Nationalmuseum
von Neapel, zeigt den die Himmelskugel tragenden Atlas in Menschengröße und
auf der Himmelskugel wohl keine Sterne, aber 42 Sternbilder, deren Bezeichnung
weitgehend mit der heutigen identisch ist und schon von Ptolemäus her in schrift
licher Überlieferung vorliegt. Auf dem Globus ist auch der Himmelsäquator und
die Ekliptik, die scheinbare Bahn der Sonne während des Jahres durch die Stern
bilder, eingezeichnet, und aus der Lage der Sternbilder zur Ekliptik läßt sich, gemäß
der Wanderung des Frühlingspunktes im Laufe der Zeit, die Entstehungszeit des
Famesischen Atlas etwa feststellen, was dem stilkritischen Befund entspricht. Andere
Darstellungen von Globen — wohl auch Erdgloben — finden sich auf Münzen, auf
Reliefs und Fresken aus dem römischen Kulturkreis. Die Armillarsphäre, jene Ring
kugel, welche aus den imaginären Kreisen, die für das Weltgebäude maßgeblich
sind (Äquator, Ekliptik, Wendekreise, Polarkreise, Kolurkreise, ev. Breitenkreise
und Meridiane), besteht und im ptolemäischen System eine Erdkugel im Mittel
punkt besitzt, ist wohl in der Literatur erwähnt (z. B. durch Geminos v. Rhodos),
aber aus der Antike nicht erhalten, ebenso ist die Erddarstellung wahrscheinlich
nicht interessant genug gewesen, um zur Verbreitung des Erdglobus zu führen, war
doch selbst Crates und Strabo nur ein geringer Teil der Erdoberfläche entschlüsselt,
wobei aber Landkarten von begrenzten Gebieten schon in Gebrauch waren.
Der Niedergang der Kultur des Abendlandes ließ die Erkenntnisse der Antike wieder
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