Universität gesehen hat, versteht auch, daß ihre Ausmaße nur bescheiden sein
durften: der Lehrer sitzt, dicht umringt von seinen Schülern, auf dem Boden der
Säulenhalle und spricht, um den Unterricht seiner Kollegen nicht zu stören, im
Flüsterton. Der Akzent des Unterrichtes lag, bei Verwendung solch kleiner Geräte,
auf der Erklärung der Himmelsmechanik — hier hätte es keinen Sinn, Sternbilder
auf die Kugel zu applizieren. Wohl aber sind die Namen der Tierkreiszeichen entlang
der Ekliptik und der wichtigsten Kreise angeführt.
Islamische Himmelsgloben, auf welchen nur die Ekliptik und andere Kreise beschriftet
sind, in etwa der angeführten Größe und vom Beginn des 17. bis Beginn des 19. Jahr
hunderts, finden sich in verschiedenen Sammlungen in den USA: Chicago, Adler
Planetarium; Bloomfield Hills, Cranbrook Institute of Science, Mich.; in England:
Greenwich/London, Maritime Museum; in Indien: Delhi, Museum des Red Fort
(eigene Beobachtung); in Ägypten: Kairo, Islamisches Museum (eigene Beobachtung).
Lit.: Yonge, E. L.: A Catalogue of early Globes, American Geographie Society;
Der Globusfreund, Heft 13, 1964, und Heft 18/20, 1969, S. 23.
8 GLOBUSPAAR
Erdglobus und Himmelsglobus
Ferguson, James (1711—1776)
Ausgeführt und verkauft von Benj. Martin, Fleet Street, London, vor 1772
Papiermache, Kupferstich, handkoloriert
Durchmesser 30 cm
Privatbesitz
Mit James Ferguson tritt noch einmal ein vielseitig gebildeter Wissenschaftler als
Autor eines Globus auf. Der Schotte war experimentierender Philosoph, Physiker
und Astronom, der zum Teil in Selbststudien sein Wissen erwarb, wie er in einer
Autobiographie angibt. Zu arm, um zu studieren, wurden ihm durch die Eigen
konstruktion eines Globus, wie er schildert, die Augen für die Probleme der Welt
darstellung geöffnet. 1746 baute er ein mechanisch betriebenes Planetarium, „Orrery“,
wie solche Geräte nach ihrem Erfinder, einem englischen Aristokraten, genannt
werden, und Ferguson beschrieb auch die daran angebrachten Verbesserungen.
Auf Grund seiner Verdienste wurde Ferguson Mitglied der Royal Society.
Der Erdglobus trägt viele Ortsbezeichnungen und ist völlig der Darstellung der
geographischen Beziehungen gewidmet. Das späteste eingetragene Datum (in der
Baffin Bay) ist 1742. Dennoch vermag Ferguson seine philosophische und physikali
sche Neigung nicht zu unterdrücken: Vor der indischen Küste sind die hauptsächlichen
Windrichtungen in der Monsunzeit angeführt, in Unterägypten vermerkt er statt
einer Ortsbezeichnung ,,the pyramids“, und in Grönland, auf der geographischen
Breite des Nordkaps, kann man lesen „Here brandy freezes by fire“. Der Globus
ist für die Zeitspanne zwischen 1742 und 1770 einzuordnen und folgt der von Moxon
begründeten und von Senex weitergeführten Tradition englischer Globusherstellung.
Ein Erdglobus von Ferguson, gleichen Durchmessers, befindet sich im Henry-Ford-
Museum, Dearborn, Michigan, USA.
Lit.: Stevenson, E. L., a. a. O.; Saarmann, M., a. a. O.; Der Globusfreund, a. a. O.,
Heft 14 (als Senex); Yonge, E. L., a. a. O.
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