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Full text: Theatrum orbis terrarum

Schon früh stellten Beobachter Unregelmäßigkeiten im Umlauf der Planeten — und 
natürlich auch des Mondes — fest, wenn sie als ruhenden Pol, als Mittelpunkt die 
Erde annahmen. Diese Unregelmäßigkeiten der Planetenlaufbahnen wurden, ins 
besondere von Hipparch, aber auch Ptolemäus mit einer Theorie erklärt, wonach 
die Planeten nicht auf Kreisbahnen, sondern in Epizykeln um die Erde kreisten. 
Dies bedeutet, daß jeder Planet mit gleichförmiger Geschwindigkeit um einen Punkt 
kreist, dieser Punkt aber selbst mit gleichförmiger Geschwindigkeit und vielfach 
größerem Radius um die Erde kreist. Der Kreis, der von letzterem Punkt beschrieben 
wird — Mittelpunkt ist die Erde —, heißt Deferent. Dabei sind aber die Bahnen 
der Planeten zur Sonnenbahn geneigt, insbesondere die scheinbare Bahn des Mondes, 
dessen Unregelmäßigkeit im Umlauf gegenüber der Sonne oder gegen die Fixsterne 
besonders auffiel. Den Bahnschnittpunkt der Bahn des Mondes mit der Ekliptik 
(der scheinbaren Bahn des Sonnenumlaufes), wenn der Mond von der Südseite 
der Ekliptik in die Nordseite tritt, heißt Drachenkopf (der Schnittpunkt beim Eintritt 
in die Südseite Drachenschwanz). 
An den Tragspangen sind zwei Schilde in transluzidem Email mit der Devise „Mors 
vivet“ und „Imitamini“ angebracht. Ein dritter Schild fehlt. Signatur auf der Unter 
seite des Horizontalringes: „Euphrosinus Vulperia Florent(inus) f. Lugduni MDLIII.“ 
Lit.: Der Globusfreund, Heft 18/69, 19/70, 20/71. 
12 ARMILLARSPHÄRE 
Süddeutsch (Wien?), Mitte des 17. Jahrhunderts 
Kupfer bzw. Bronze, vergoldet, Silber, Email, Holz, das Werk aus Messing und aus 
Eisen 
Höhe 65 cm 
Kunsthistorisches Museum, Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe, Inv. Nr. 848 
Im Zentrum der vorliegenden Armillarsphäre befindet sich, der geozentrischen 
Weltvorstellung entsprechend, die Erdkugel. Um diese bewegt sich, an einem Ring 
befestigt, die Kugel des Mondes. Die dritte, aus zwei sich kreuzenden Längenkreisen 
und aus einem Ekliptikalring bestehende Sphäre ist die der Sonne. Die vierte Sphäre 
ist die Sternsphäre; sie besteht aus einem Gittergerüst verschiedener Ringe, die 
die beiden Kolurkreise, den Himmelsäquator, die Wende- und die Polarkreise 
darstellen. Im Inneren des Holzsockels befindet sich das Triebwerk, dessen Bewegung 
mit Hilfe einer senkrechten, durch die Trägerfigur des Herkules hindurchreichenden 
Achse zum Zahnrädergelege der Sphäre hinauftransportiert wird. Am Nordpol des 
Sphärensystems befindet sich eine flache Dose mit einer einfachen Zahnradüber 
tragung, die die Tagesbewegung der Sonnensphäre auf den Stunden- und Viertel 
stundenzeiger überträgt; das emaillierte Zifferblatt indiziert die Viertel- und die 
ganzen Stunden, die letzteren sowohl nach der deutschen als auch nach der welschen 
Zählung. 1731 in der „kaiserlichen geheimen kleinen Schatzkammer“ in Wien. 
Lit.: Ferrari d’Occhieppo, K., und Neumann, E.: Astronomische und kunstgeschicht 
liche Bedeutung zweier Armillarsphären des Kunsthistorischen Museums in Wien, 
in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 67, 1959, 
S. 140ff. und S. 146ff.; Bertele, H. v.: Globes and Spheres, Lausanne 1961, S. 56f.; 
Katalog der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe, II. Teil, Renaissance, Wien 
1966, S. 123, Kat. Nr. 401. 
Erwin Neumann 
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