gestochen. Die Sammlung hatte einen derart enormen Erfolg, daß bis 1612 — der
letzten Ausgabe — 41 Auflagen, und zwar 21 lateinische, 2 holländische, 5 deutsche,
6 französische, 4 spanische, 1 englische und 2 italienische erscheinen mußten. Dadurch
wurde auch die Aufspaltung dieses ursprünglich internationalen Werkes in nationale
Länder- oder Regionalatlanten eingeleitet.
Ortelius wurde am 4. April 1527 in Antwerpen geboren, wo er am 28. Juni 1598
starb. Mit 20 Jahren wurde er in die Sankt-Lukas-Gilde, die Gewerbezunft der
Maler, Bildschnitzer und Drucker, als „afsetter van Carten“ aufgenommen, der
also die Landkarten andern illuminierte. Auf seinen zahlreichen Reisen knüpfte
er zufolge seines freundlichen Wesens viele wertvolle Beziehungen an, unter denen
die dauernde Freundschaft mit Mercator hervorgehoben sei. 1560 begann seine
Verbindung mit der Kartographie. 1564 erschien seine erste Weltkarte, 1566 eine
Karte von Ägypten, 1567 eine solche von Asien. Weniger die wissenschaftliche
Neuerung als die sorgfältige und gründliche Ausführung der Karten war für ihn
kennzeichnend. 1573 wurde Ortelius mit dem Titel „Königlicher Geograph“ aus
gezeichnet.
Das „Theatrum Orbis Terrarum“ wurde zuerst von Aegidius Coppens van Diesth
gedruckt, ab 1579 aber von dem größten Drucker Antwerpens. Es war dies Christophe
Plantin. Dieser wurde um 1520 in St. Avertin bei Tours in Frankreich geboren und
ließ sich nach mehrjährigem Aufenthalt in Paris im Jahre 1549 in Antwerpen nieder.
Bald arbeitete er regelmäßig mit 16, zeitweise sogar mit 22 Pressen, während z. B. die
größte französische Druckerei Estienne nur vier betrieb. Bereits 1570 ernannte ihn
König Philipp II. zum „Erzdrucker“. Er druckte die Werke von Ortelius, Mercator,
Guiccardini und Waghenaer und kam insgesamt auf über 1.500 Schriften. Am
1. Juli 1589 ereilte ihn in Antwerpen der Tod.
Sein Schwiegersohn und langjähriger Mitarbeiter Jan Moerentorf, genannt Moretus,
führte die Druckerei weiter, die aber schon im 17. Jahrhundert durch Abwanderung
der Kartographie nach Amsterdam an Bedeutung verlor. 1876 ging sie in den Besitz
der Stadt Antwerpen über, die sie zum berühmten Museum Plantin-Moretus machte.
In dieser gut erhaltenen Druckerei, den gepflegten Sammlungen und früheren Wohn-
räumen sind die Herstellungsvorgänge der alten Karten, Atlanten und Bücher aus
gezeichnet veranschaulicht. Ortelius selbst könnte jederzeit aus einem der Zimmer
treten.
Lit.: Graesse: V, S. 55; Brandmair, E.: Bibliographische Untersuchungen über
Entstehung und Entwicklung des Ortelianischen Kartenwerkes, München 1914;
Koeman, C.: The history of Abraham Ortelius and his Theatrum Orbis Terrarum,
Lausanne 1964; Ortelius, Abraham: Die schönsten Karten aus dem Theatrum orbis
terrarum 1570, Hamburg 1966.
17 ORTELIUS, ABRAHAM
Theatrum orbis terrarum, Eigenverlag, Antwerpen 1598 (Ausgabe letzter Hand,
im Todesjahr des Verfassers erschienen). Holländische Ausgabe: Der 29. Ausgabe
nach Ludewig verwandt.
Titelblatt der Erstausgabe, Vorspruch, Erklärung des Titelblattes von Peeter Heyns,
Vorwort, Porträt des Ortelius, 91 Blatt Landkarten, kolorierter Kupferstich, Schluß
wort, Tafel Verzeichnis, Impressum: Ghedruckt voor Abrahahm Ortelius, Anno
1598.
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