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Full text: Theatrum orbis terrarum

Harro H. Kühnelt 
ZEITMESSUNG 
Schon immer haben sich die Menschen bemüht, Raum und Zeit zu messen und diese 
Dimensionen sich dadurch untertan zu machen. Besonders mit der Zeit, dieser 
nicht greifbaren und doch so entscheidend das menschliche Leben beherrschen 
den Macht, haben sich die größten Denker seit jeher auseinandergesetzt. 
Ursprünglich bestand ein enger Zusammenhang zwischen der Religion in einer 
bestimmten Kulturperiode und dem brennenden Interesse an Zeit und Vergänglich 
keit. Wo immer religiöse Übungen das Leben des Menschen leiteten — gleichgültig 
ob im alten Ägypten, in Mexiko oder im deutschen Mittelalter —, erschienen die 
ewigen Götter im Gegensatz zu den Menschen, denen nur eine kurze Spanne vergönnt 
ist. Völker, die in erster Linie Ackerbau betrieben, erwarben bald ein Zeitempfinden 
und eine Zeiteinteilung, da ihre Arbeit einen festgelegten Rhythmus verlangte. 
Nicht nur der wiederkehrende Ablauf des Tages, sondern die in größeren Intervallen 
wiederkehrenden Arbeiten auf dem Feld wurden beobachtet und das Gleiche, das 
Sich-Wiederholende im Fluß der Zeit als Ausgangspunkt betrachtet. Das wichtigste 
für jede Zeitmessung ist die Festlegung eines Augenblicks, von dem aus die Zeit 
gemessen wird. Für uns heute ist es eine Selbstverständlichkeit, daß dies um zwölf 
Uhr Mitternacht (= vierundzwanzig Uhr) geschieht. Das ist aber ein Augenblick, 
der sich mit primitiven Zeitmeßgeräten nicht leicht feststellen läßt. Daher wählten 
die Menschen früherer Epochen Zeitpunkte, die für ihre Zeitrechnung leichter 
zu beobachten waren. Es gab Systeme, die die Stunden vom Augenblick des Sonnen 
untergangs an zählten (die sogenannten italienischen Stunden), wieder andere zählten 
vom Moment des Sonnenaufgangs an (griechisch-babylonische Zählweise). Für 
den Menschen aus der Zeit vor der allgemeinen Benützung künstlicher Beleuchtung 
galt einfach nur das Tageslicht, und dieser Zeitraum wurde in zwölf Teile geteilt 
(Zählung nach Planetenstunden), gleichgültig wie lang er war. Es ist das die Zähl 
weise, wie sie bei den Zeitangaben der Bibel zu finden ist. Erst mit dem Aufkommen 
der ältesten, einfachen Sonnenuhren nahm man den Sonnenhöchststand zum 
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