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Full text: Theatrum orbis terrarum

80 MÜNSTER, SEBASTIAN 
Cosmographia. Beschreibung aller Länder, aller Völcker, Herrschafften, Stetten und 
namhafftiger Flecken herkommen. Sitten, gebreiich, Ordnung, glauben, secten und 
hantierung durch die gantze weit und fürnemlich Teiitscher nation. Was auch 
besunders in jedem land gefunden und darin beschehen sey. Alles mit figuren und 
schönen Landtafeln erklärt und für äugen gesteh. Basel, H. Petri, 1546 in fol. 
3. Ausgabe. 
Mit zahlreichen Holzschnitten und 24 Karten. 
König Gustav (Wasa) von Schweden gewidmet. 
Österr. Museum, B. I.: E II 1 
Die Holzschnitte der Titelumrahmungen und Zierleisten von Hans Holbein d. J. 
und Urs Graf, die diese für die Offizin des Adam Petri, Heinrich Petris Vater, 
geschaffen hatten. Die zahlreichen Illustrationen dieser Ausgabe sind ebenso wie 
die der Ausgaben von 1544 und 1545 anonym und mehr oder weniger unbedeutend, 
erst die Ausgabe von 1550 bringt, offenbar angeregt von Johann Stumpfs eidgenössi 
scher Chronik, eine außerordentlich reiche Ausstattung, deren Zeichnungen Manuel 
Deutsch und David Kandel zuzuschreiben sind, als Holzschneider zeichnen die 
Monogrammisten CS und HH. 
Sebastian Münster wurde 1489 zu Nieder-Ingelheim geboren, studierte 1503 bis 
1524 in Heidelberg, Tübingen und Wien und wurde durch Johannes Stoeffler 
(vgl. Kat. Nr. 77) in die Erd- und Himmelskunde eingeführt. Ab 1424 war er Professor 
für Hebräisch in Heidelberg und Basel, wo er 1552 starb. 1505 trat er in den 
Franziskanerorden ein, 1529 trat er der reformierten Kirche bei. Als Hebraist nahm 
er in Deutschland nach Reuchlin die bedeutendste Stellung ein. Allgemeiner bekannt 
aber sind seine kosmographischen Leistungen, vor allem die Herausgabe der Erdkunde 
des Ptolemäus und seine Cosmographia, die bereits zu Lebzeiten in mehreren 
Auflagen und Übersetzungen ins Lateinische, Italienische und Französische er 
schien. 
Münster erweist sich in diesem Werk vor allem als Gelehrter, weniger als Forscher. 
Er zehrt von den antiken Autoren, vor allem Strabo ist ihm eine wichtige Quelle. 
Dazu kommt, daß er als Compilator versucht, sich von all dem seit der Antike 
Gewordenen und Erforschten Kunde zu verschaffen, er benützt alle Quellen von 
Diodorus Siculus bis auf Aegidius Tschudi. So wird sein Werk ein Kompendium 
für Geographie, Geschichte, Altertumskunde, Philologie und Physik. Trotz aller 
Wissenschaftlichkeit bewahrt er, als Kind seiner Zeit, einen starken Hang zum 
Aberglauben und zum Festhalten an phantastischen Erzählungen und Volksmärchen, 
was vor allem bei der Schilderung außereuropäischer Kontinente deutlich wird. Dem 
ordnen sich die Illustrationen durchaus bei. 
Der Name Amerika findet sich in den ersten Ausgaben nicht, in dem Abschnitt 
„von den newen Inseln“ wird aber von Kolumbus und seinen Entdeckungen sowie 
von den phantastischen Dingen jener Inseln gesprochen. Die nackten Menschen, 
die „Cannibalen“ oder „leitfresser“, das Gold, Riesen und furchtbare Weiber, 
die die spanischen Jünglinge rösteten und fraßen, finden eine höchst aufregende 
und bunte Schilderung, die auch Münsters Amerikakarte bestimmt, so etwa die 
Eintragung der „Canibali“ und des „Regio Gigantum“. 
Münsters Patriotismus entspricht wohl der überaus breite Raum, der Deutschland 
gewidmet ist, seine Gesinnung drückt sich vor allem in den Worten aus, die er der 
Karte Deutschlands voransetzt: „Deutschland von Gottes Gnaden ein Stuhl des 
römischen Reichs, ein Schul aller guten Künste und Handwerke, ein Ursprung 
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