Beobachtung, sondern auch wegen verschiedener, unmittelbar dem Verfahren ver
hafteter technischer Mängel sehr unverläßlich.
So ist es verständlich, daß an vielen Stellen der Wunsch nach verläßlicheren Zeit
messern für die Tagesunterteilung als die angedeuteten Sonnen-, Feuer- und Wasser
uhren wach wurde. Deutlich ausgesprochen erscheint dies in den libros de Saber
de Astronomica 1276/77 von König Alfons X. dem Weisen von Spanien, der für
seine astronomischen Beobachtungen sehr dringend ein verläßlicheres und genaueres
Zeitmeßgerät als die ihm zur Verfügung stehenden Zeitmeßverfahren verlangt,
selbst die erstmals in diesen Büchern angeführte Quecksilberkammeruhr mit Gewichts
antrieb inbegriffen.
Kurze Zeit nach diesem Wunsch tauchten in Europa die ersten mechanischen Räder
uhren auf und beginnen von da einen erst in unserem Jahrhundert abgeschlossenen
Siegeslauf, sowohl was den Umfang ihrer Verbreitung und ihres Einsatzes als auch
was den dauernden Fortschritt zu größerer Präzision, d. h. Genauigkeit in der
Kurzzeiterfassung, betrifft.
ln kurzen Worten sollen nun im folgenden aus dieser hochinteressanten technischen
Entwicklung einige der wichtigsten Merkpunkte skizziert werden:
Als Kennzeichen für alle Räderuhren und mechanische Uhren erscheint das Vor
handensein eines dauernd wirkenden Antriebes auf ein Zeigerwerk über eine Zahn
räderübersetzung, wobei ein zusätzliches Element den Gang des Zeigerwerkes gleich
mäßig gestaltet, wo doch ein bloßer Antrieb allein, je nach den insgesamt wirkenden
mechanischen Verhältnissen, bald raschere, bald langsamere Fortschritte des Zeiger
werkes ergeben würde. So ist die Erfindung des ersten Echapments (zu deutsch Gang)
in Form des Lappenganges (bzw. auch Spindelhemmung genannt) die Geburtsstunde
der mechanischen Räderuhren. Trotz vieler Untersuchungen und Hypothesen ist
bis heute völliges Dunkel über das Wann und Wo dieser menschlichen Großtat
gebreitet. Es dürfte um 1300 gewesen sein, daß dieser große Schritt in Europa gemacht
worden ist, vielleicht in Italien, vielleicht in Burgund oder vielleicht auch in England,
denn bald nach 1300 beschreibt Dante das Räderspiel einer mechanischen Uhr*)
und beginnen die Chronisten die Aufstellung von großen Turm- und Kirchenuhren
an den verschiedensten Plätzen Europas zu melden, es kommen gleichzeitig aber
auch kleine Hausuhren zur Verwendung. Bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts
waren es ausschließlich Gewichtsantriebe, dann aber war plötzlich der Federantrieb
da, der die Hausuhren tragbar werden ließ und der den rasch immer geschickter,
einfallsreicher und zahlreicher werdenden Urhmachem eine fast unendliche Mannig
faltigkeit für technische Verbesserungen und kunsthandwerkliche besondere Gehäuse-
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