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rdtt)e gu benufsen. Sährenb bei uns in ©uropa jebeS 3ai)r=
punbert, ja felbft in ben neueren 3^itcn jebeS Baprgepnt anbere
©tufter ober weuigftens anbere SehanblungSweifen beffelben
©tufterS liebt, bleibt im Srient bas fprincip ber gormbe^anblung
oöllig unerfdjüttert. S)er ©uropäer tritt bent natürlichen ©egen*
ftanbe, ber fPflange, bem Spiere mit einer ©ebanfenfülle ent*
gegen, welche i£>n reranlaßt, ben betreffcnben ©egenftanb nach
feiner beften g-äpigfeit gu ergrünben unb barguftellen. ©s> freut
ipn, bie ©igentt)ümlid)feit einer tRofe in allen ipren Reinheiten
gu beobachten, mie bie eingelnen Slätter fid) träufeln, wie bie
äußeren bereits weit barnieberpängen, wäprenb ber innere Äern
ber gefüllten Slume fiel) eben erft erfcpließt, wie Unregelmäßig*
feiten aller Slrt in Stellung unb Rorm ber Slätter fid) finben.
Rür baS fein beobacptenbe Singe befommt bie Slume einen be*
ftimmten ©parafter beS prächtig ©troßenben ober beS gart 33e=
fd)eibenen; mit ben oerf epiebenen Sluntcn wirb eine beftimmte
religiöfe ober etf)ifct)e Sßorftcllung t'erbunben; ber Sorber wirb
ipm gunt beS Stupmes, bie Stofe jum S^dfen ber Siebe.
S3on allen biefen cerfeinerten ©mpftnbungen unb fcparfen Seob*
acßtungen fann er fid) nicpt losfagen, wenn er eine berartige
Slume als Drnament cerWenben will, ©r bernüpt fid) auf bie
Sapete, bie er mit Stofen fcpmücten Will, bie Stofe gu malen mit
ber pbcpften Reinpeit ber Seebad)tung, fo baß fie bem natürlich
geflauten SScrbilbe fo äl)nlid) wie mbgtid) wirb; er wirb für
einen beftimmten ßwccf beftimmte Sluinen als Sinnbilb wählen,
er fteigert fid) fortwäprenb in ber funftfertigen Siebergabe
ber Statur. Sir, bie wir in gleicher Seife benfen unb
füllen, finb geneigt, fein Serf gu bewunbern, bis wir ploßlid)
bemerfen, baß ber ßeiepner unb wir ben eigentlichen ßwcct feber
Örnamentif eergeffen haben unb in ber gu ftarf auSgebilbeten
Rertigfeit be» 35arftelIenS bie ©rengen beS ©tufterS weit über*
fdjritten haben. Senn eine Slunte in ihrer rollen natürlichen
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