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(Srfdjeinung bargeftellt wirb, fo hört fte auf, bab SRufter einer
glcidje 311 fein, man fann nicht auf bid gemalte ©lumenfträujje
ein 33itb hängen, man fann niefjt auf einen Ocppid) treten, wel=
der bem Singe Ijochqueltenbe ©träufle üorfpiegelt.
-Der Orientale betrugt biejelbcn ©hinten alb ©orbilber; er
muftert feine SBanbbefleibung, er mnftert feine Oeppidfe mit
3tefen. (Sr cermeibet eb aber, fte plaftijd) unb natürlich bar=
juftellen, er entlehnt ben flattern berfeiben nur bie gierlie^e
Beiebnung, bie barmonifdje garbenjufammenfteltung beb Sotb
unb (Min, er nimmt aub ber ganzen (Srfdjeinung nur fo oiel
beraub, alb fid) in ber fläche barftellcn (äfft, oljne bafs ber eigen=
thümlicfje (5£)aratter ber glätte unterbrochen wirb. 3n biefem
^orgelten ift er fo feft unb fo inftinftio fid) er, baff bei einem
©Icidjbleiben ber natürlichen ©orbilber and) bab (Srgebnifj bitrcb
alle 3ahrl)unberte hin oöllig baffclbc geblieben ift. Oer Odern
tale begnügt fid) aber nicht nur mit ber 9tad)bilbung unb jwecf=
mäßigen Umgeftaltung ber natürlichen ©orbilber, er erfinbet, unb
jwar auf ©runb ber natürlichen ©efelre, bie fid) ihm bei
^Beobachtung ber ÜJiatur ergeben. 2Bie er an ber fPflanje Bweig
auf Bweig, ©latt auf ©latt unb ©lutne auf ©lume fid) cnt=
wicfeln fteht, fo orbnet er aud) ben ©tamrn unb bie Bweige
feine» Ornamenteb. (Sb ift nicht eine befthnmte ©lume, bie er
nad)bilbct, fonbern bab SlUgemeingültige beb fPfla^enwadjbthumb,
gleicbfam bie Urpflanje, welche ©oetlje oorjcfjwebte, unb fomit
betommt feine Beichnung etwab fo abfolut ©emeingültigeb unb
unbejweifelbar ©iebtigeb, bafi fie allcrbingb 311m feften «eitfaben
ber ornamentalen Äunft werben muff. (Sb ift bie Urquelle, ju
ber wir immer wieber jurüdfehren, fobalb wir unb in 31t reicher,
unge3ügelter fPhantafie oon ihr entfernt unb in alle Unnatur
oerirrt haben. Oie Sicherheit beb Orientalen in biefer ©e()anb=
lungßweife ift fo grof, bah er nicht nur bie gefügigen g3flangen=
formen, fonbern felbft Shtere, ja jogar ÜRenfchenbilbungen in