11
Sie benützten das aus mehreren Lagen zusammengeschmolzene, übet-
fangene Glas nicht allein, um Cameen nachzuahmen, sondern stellten
ganze Gefässe mit figürlichen Darstellungen in ausgeschliffener Arbeit
her, wie an dem berühmtesten dieser seltenen Stücke, der Portlandvase
in London, zu bewundern ist. Technisch noch merkwürdiger sind die
diatreta, Gefässe, deren Wände von einem, durch kurze Stäbe mit diesem
verbundenen, weitmaschigen Glasnetz umgeben sind. Man hat oft gemeint,
diese Netze müssten selbständig gebildet und an das fertige Getäss ange
schmolzen worden sein; ein Bruchstück in unserer Sammlung (Nr. 10.57°)
lässt jedoch aufs deutlichste sowohl an der weissen Masse des Gefässes
wie an den blauen Maschen die Spuren des Schleifrades erkennen. Ob
wirklich der Zweck dieser unglaublich mühsamen Arbeit, wie angenommen
worden ist, gewesen sei, das Handhaben des mit heisser Flüssigkeit
gefüllten Gefässes zu erleichtern, ist wohl zu bezweifeln, da diesen Zweck
einfache Henkel ebensogut erfüllt haben würden; vielmehr stehen wir
wahrscheinlich vor Kunststücken, wie sie sich eben nur Zeiten gestatten
können, in denen es kein freies Handwerk gibt. Einzelne Exemplare dieser
Gattung sind mit erhaben ausgeschliffener Schrift versehen, wie denn auch
figürliche Reliefs die hohe Meisterschaft der Römer im Schleifen bekunden.
Durch das Zusammenschmelzen verschiedenfarbiger Gläser erhielt
man onyx-, porphyr-, Serpentin-, granitartige Massen, auch Holzflader
scheint nachgeahmt worden zu sein. In anderen Fällen erscheinen vier
eckige weisse Stücke in dunkle Masse eingeschmolzen, auch Metallblättchen
kommen vor (Nr. 10590). Desgleichen weisse Fäden in einfacher Anordnung
oder gekreuzt. Dürfen wir in dieser Combination das Vorbild des vene
zianischen Faden- und gestrickten Glases sehen, so zeigt sich in den
mannigfachsten Varietäten auch das, was millefiori genannt wird. Stäbe
von gleicher Dicke werden so mit einer andersfarbigen durchsichtigen
Masse zusammengeschmolzen, dass der Durchschnitt eine regelmässige
Figur bildet; der so gewonnene Körper wird angewärmt und gestreckt,
so dass alle Theile gleichmässig im Durchmesser schwinden, und Scheiben
davon werden nun abermals zusammengesetzt und durch die Hitze
unmittelbar oder wieder in anderer Masse mit einander verbunden. In
derselben Art werden Stäbe, die in Röhren stecken, zu Spiralen zusammen
gewickelte Plättchen und viele andere Formen zu Mustern vereinigt. Je
nachdem die Durchschnitte rechtwinkelig oder schräg genommen werden,
2*