16 -
labrication zuerst dort, wo Morgenland und Abendland in reger Berührung
standen.
In Venedig hat eine Glasmacherzunft bereits im XIII. Jahrhundert
bestanden, während die Mosaikgemälde im dortigen Dom, in Torcello und
Murano es wenigstens wahrscheinlich machen, dass man die farbigen Glasflüsse
schon zwei Jahrhunderte früher herzustellen verstanden habe. Der
Sand der Laguneninseln lieferte treffliches Material, aber erst als in der
Asche Aon Strandgewächsen ein Ersatz für die bisher aus dem Oriente
bezogenen Alkalien entdeckt worden war, waren die Bedingungen für das
Aufblühen der Industrie gegeben. Wie bedeutend diese sich entwickelte,
erkennt man aus der Verfügung des grossen Rathes der Republik vom
8. November 1291, der zufolge die Glasöfen innerhalb des Stadtbezirkes
und Sprengels Rialto — damals so genannt zum Unterschiede von dem
' enezianischen Staatsgebiete — zerstört werden mussten, aber auf anderen
Punkten dieses Gebietes wieder aufgebaut werden durften. Die Feuergefährlichkeit
der Oefen gab den einleuchtenden Grund für diese Massregel,
dass mit derselben auch der Zweck erreicht werden sollte, die
Fabrication der leichteren Beaufsichtigung halber an einer Stelle zu vereinigen,
ist oft vermuthet worden, geht aber aus dem Wortlaute nicht
hervor, welcher das ganze Gebiet ausserhalb der Stadt freigibt. Neun
Monate später erhielten auch die verixelli, Verfertiger kleiner Glasgegenstände
(conterie, vom lateinischen comptus, Schmuck: Rosenkränze,
Schmucksachen, Spielzeug), die Vergünstigung, ihre Werkstätten in der
Stadt, jedoch mindestens fünfzehn Schritte von anderen Häusern entfernt,
zu behalten. Die Fabrication im Grossen siedelte nach der Insel Murano
über, wo schon seit 1255 Glashütten bestanden hatten, und wo seitdem
der Sitz der weltberühmten venezianischen Glasindustrie geblieben ist.
Auch hier wieder wurde zunächst aus der Noth eine Tugend gemacht,
indem man die Masse, welche sich ohne einen Farbenschimmer, einen
Stich in s Grüne, Braune, auch Schwarze, nicht hersteilen liess, entschieden
färbte, oder doch zum grossen Theile mit Schmelzmalerei und Gold
bedeckte. (Vgl. die grosse, auf der Rückseite bemalte Schale Nr. 571, Taf. V.)
Die schönsten Gefässe aus dem XV. Jahrhundert — und ältere sind kaum
bekannt sind mit schmalen oder breiten Einfassungen von verschiedenfarbigen
Schmelzperlchen auf Goldgrund oder auch mit reicherem Decor
in derselben Weise ausgestattet, welche deutlich auf orientalische Vorbilder