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die Masse mit Fäden oder Bändern milchweissen Glases (latticinio) in
regelmässiger Anordnung — verro di trina — und gewinnt durch das
Aufeinanderschmelzen mehrerer solcher Schichten von Filigranglas,
deren Fäden in verschiedener Richtung laufen, das gestrickte Glas, verro
a reticella, welches durch Verbinden und Verschlingen von Fäden und
Bändern, auch solchen, die auf der einen Seite weiss, auf der anderen
blau sind, immer reicher und abwechslungsvoller im Muster wird, und
uns die Geschicklichkeit des Arbeiters auf’s höchste bewundern lässt.
Doch den grössten Triumph feiert der Glasbläser, welcher das eine Mal
die am einen Ende geöffnete Kugel durch schnellste, gleichmässige Drehung
der Pfeife zu einer äusserst dünnwandigen Schale oder ganz flachen
Schüssel ausweitet (dasselbe Verfahren, vermöge dessen das sogenannte
Mondglas für Fensterscheiben gewonnen wird), das andere Mal grosse
und kleine Pocale und Trinkschalen aller erdenklichen Formen mit reich
gegliederten Ständern, mit Henkeln, Flügelansätzen, beweglichen Ringen
u. a. m. entstehen lässt. Wie bildsamer Ton fügen sich die durch stets
erneutes Anwärmen im zähflüssigen Zustande erhaltenen Stäbe jeder
phantastischen Laune des seine Pincetten und Zangen ebenso sicher wie
rasch handhabenden Arbeiters. Und auch bei den kugel-, glocken-, trichteretc.
-förmigen Gefässen, für welche wir fast ausnahmslos Vorbilder in der
Pflanzenwelt finden, bleibt er nicht stehen, sondern ahmt auch nach, was
das Meer ihm an Muscheln und anderen Schalenthieren und Fischen
darbietet. Unsere Sammlung umfasst zahlreiche Beispiele der verschiedenen
Formen, eine kleine Auswahl ist auf Taf. V und VI wiedergegeben.
Die dem Girolamo Magagnati zugeschriebene Erfindung, das
Krystallglas mit Farbe zu versetzen, ohne dessen Klarheit zu beeinträchtigen
— Anfang des XVII. Jahrhunderts — brachte die Nachahmung
von Edelsteinen wieder in Schwung, hat aber gewiss auch dazu beigetragen,
dass jene edelste Gefässbildnerei allgemach vernachlässigt wurde. Man
wandte sich mehr und mehr wieder der farbigen Masse zu, formte Schalen
u. s. w. aus Jaspis-, Chalcedon-, Opal-, Schildkrotglas, aus dem um dieselbe
Zeit von einem Miotti erfundenen Aventuringlas, in dessen Masse winzige
Kupferblättchen eingeschmolzen sind, und nahm das millefiori der Römer
wieder auf. Unterdessen machten andere Völker in der Krystallglasfabrication
Fortschritte, und namentlich das böhmische Glas gewann einen grossen
Vorsprung. Für den Schliff und Schnitt eignete sich das venezianische