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Full text : Die Glassammlung des K.K. Österreich. Museums

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überhaupt,  also  auch  bei  deutschen  und  böhmischen  Gläsern  beibehalten,
und  letzteren  andere  österreichische,  wie  die  aus  Guttenbrunn  bei  Zwettl
in  Niederösterreich,  angereiht.
Dass  das  Glasmachen  in  verschiedenen  Gegenden  Frankreichs,
in  Poitou  der  Provence,  der  Normandie,  Lothringen  u.  a.  am  Ausgange
des  Mittelalters  in  beträchtlichem  Umlange  betrieben  worden  ist,  haben
französische  Forscher  nachgewiesen.  Aber  auch  dort  kam  erst  durch
italienische  Einwanderer  ein  künstlerischer  Zug  in  die  Fabrication.  Von
grosser  Bedeutung  wurde  diese  namentlich  in  dem  besonderen  Zweige
der  Spiegelfabrication,  seitdem  Louis  Lucas  de  Nehou  in  Tour-la-ville
bei  Cherbourg  gegen  Ende  des  XVII.  Jahrhunderts  das  Giessen  der
Tafeln  erfunden  hatte,  wodurch  die  geblasenen  Spiegel  von  Murano  verdrängt ­
  wurden.  Die  genannte  Fabrik  wurde  bald  darauf  nach  Saint-Gobain
verlegt,  wo  sie  noch  heute  den  alten  Ruf  behauptet.
^  Aeltere  französische  Arbeiten  sind  höchst  selten.  Das  Museum
besitzt  nur  Beispiele  moderner  Fabrication,  darunter  vortreffliche  Krystallgläser
  der  Fabrik  von  Baccarat  (8211,  8221—8224,  4103  ff.)  und  farbig
decorirte  von  Ph.  Brocard  in  Paris,  welcher  auch  orientalische  Gläser
imitirt  (Nr.  7552,  1221,  1281,  Vgl.  Taf.  XIII).  Hervorragend  sind  auch
die  französischen  Edelstein-Imitationen.  Im  Jahre  1875  machte  die  Erfindung
A.  de  Bastides  in  Bourmont,  Glas  noch  glühend  in  heisses  Oel  zu  geben
und  dadurch  zu  härten,  grosses  Aufsehen,  und  man  versprach  sich  von
derselben  bedeutende  Vortheile.  Doch  ist  das  Hartglas  rasch  wieder  verschwunden, ­
  da  es  unter  Umständen  ,  welche  kaum  voraus  zu  berechnen
sind,  explodirt.
Nicht  unerwähnt  darf  bleiben,  dass  längere  Zeit  die  Ansicht
bestanden  hat,  das  Glasmachergewerbe  habe  in  Frankreich  und  Lothringen
den,  welcher  es  betrieb,  geadelt.  Wahr  ist  daran,  dass  den  Glasmachern
manche  Privilegien  des  adeligen  Standes  gewährt  waren,  und  dass  die
zahlreichen  Edelleute,  welche  auf  ihren  Besitzungen  Hütten  angelegt  hatten,
oder  verarmte,  die  dort  Arbeit  suchten,  dadurch  ihrer  Vorrechte  nicht
verlustig  wurden.
            
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