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MAK

Full text : Altorientalische Teppiche

Knüpfeinheit  (12.740  Knoten  auf  den  Geviertdezimeter)  gibt  die  Gewähr ­
  exaktester  Ausführung.  Der  Wechsel  der  farbigen  Erscheinung
je  nach  dem  Standpunkt  des  Beschauers  überrascht  immer  von  neuem.
Vom  Arbeitsende  aus  gesehen  hüllt  ihn  ein  silbriger  Schleier,  während ­
  bis  zum  Grundgewebe  ausgewitterte  Stellen  dunkel  wirken.
Gleiche  Herkunft  darf  man  für  eine  Gruppe  kleinerer  Seidenteppiche ­
  vermuten,  die,  von  einigen  bildmäßig  dekorierten  Stücken  abgesehen, ­
  ebenfalls  im  Medaillonsystem  komponiert  sind.  Beim  Wiener
Stüde  (Tafel  11)  sind  die  üblichen  queroblongen  Ansatzschilder,  wohl
in  Erinnerung  an  überlange  Medaillonteppiche  Nordwestpersiens,  von
hier  spitzovalen  Mittel-  und  kielbogig-vierpassigen  Eckmedaillons  losgelöst. ­
  So  frei  geworden,  sind  sie,  hochgestellt,  viermal  als  Feldschmuck
wiederholt.  Alle  zehn  Kartuschen  fügen  sich  zu  einem  lockeren  Kranz
um  die  Mittelfigur.  Die  Ranken  des  einschichtigen  floralen  Felddekors
sind  bei  diesem  zierlich  und  fast  kapriziös  gezeichneten,  fein  geknüpften ­
  Stück  (10.585  Knoten)  so  unscheinbar,  daß  sie  wie  Streudekor
wirken.  Ein  vom  cremefarbenen  Grund  sich  scharf  abhebendes,  aus
s-förmigen  Gliedern  gefügtes,  breites  Arabeskenband  gibt  dem  kirschroten ­
  Feld  eine  kraftvolle  Rahmung.

Sog.  Polenteppiche
Die  beim  Jagdteppich  erwähnte  Edelmetallbereicherung,  die  sich
auch  bei  selbst  wollgeknüpften  Teppichen,  wenn  auch  nicht  allzuhäufig,
findet  und  stets  nur  in  kleineren  Partien  eingebracht  ist,  bedeckt  bei
den  sog.  Polenteppichen  oft  größere  Flächen,  manchmal  sogar  den
ganzen  Grund.  Die  farbige  Erscheinung  wird  dadurch  stark  mitbestimmt, ­
  und  der  Niveauunterschied  der  Metallpartien  gegenüber  dem
höheren  Flor  bewirkt  eine  reizvolle  Reliefbildung.  Von  dem  über
weißen  bzw.  gelben  Seidenfäden,  der  sog.  Seele,  eng  gewundenen  Silber- ­
  bzw.  vergoldeten  Silberlahn  ist  oft  nichts  mehr  übrig.  Die  Knüpfung ­
  ist  in  Seide,  in  einer  für  dieses  Material  meist  auffallend  geringen ­
  Dichte  (2650—5070  Knoten).  Welche  Gegend  Persiens  die  Heimat ­
  dieser  im  späten  16.  und  17.  Jahrhundert  entstandenen,  das  Prunkbedürfnis ­
  des  Hofs  Schah  Abbas  des  Großen  kennzeichnenden  Gruppe
war,  steht  noch  nicht  fest,  da  ja  die  Komposition  sehr  verschiedenartig
ist.  Wo  Spiralranken  verwendet  sind,  was  fast  immer  der  Fall  ist,
sind  es  beide,  die  arabeske  und  die  florale,  in  dem  schon  erwähnten
Rangverhältnis.  Selten  und  nur  bei  den  besten  Stücken  überziehen
sie  alleinherrschend  das  Feld.
Nur  die  florale  Ranke  ist  einschichtig  verwendet  auf  einem  in  mäßiger ­
  Feinheit  (2860  Knoten)  gearbeiteten  Teppich  der  Wiener  Sammlung ­
  (Tafel  12).  Einige  große  Blüten  —  darunter  an  Kardinalpunkten
Wirbelrosetten  —  und  üppige  Wolkenbänder  schmücken  ihn.  Ein
schlankes,  in  Skorpionstacheln  ausgreifendes  Arabeskenband  auf  resedagrünem ­
  Rahmen  läuft  um  das  scharlachfarbene  Feld.
Häufig  finden  sich  geschweiftpassige,  rautenähnliche,  vierblattartige
oder  kreisförmige  Flächenfiguren,  konturbildend  geformt  von  der

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