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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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nakels, ist an jeder Seite mit einer Volute consolartig 
geschmückt. Der Tabernakel hat die Gestalt einer vier 
seitigen Capelle mit der zur Aufnahme der Eucharistie be 
stimmten Capsel in der Mitte, die eine runde Form hat, 
und mit einem breiten mit Edelsteinen und Perlen ge- 
ziertenMetallreifen eingefasst ist. An den Seiten der Cap 
sel bauen sich Strebepfeiler auf, die nach oben mit Fialen 
endigen. Der Tabernakel wird durch einen sechsseitigen 
Thurmbau bekrönt, der unten eine mit spitzbogigen 
Fig. 17. (Salzburg.) 
Fenstern gezierte Capelle bildet. Die Spitze ist an den 
Kanten mit kleinen Krabben und zu oberst mit Kugel 
und Kreuz geschmückt. (S. Mitth. d. Centr Comm X 
pag. III.) 
Der 28«/*" hohe Hausaltar aus dem Schatze des 
Benedictinerstiftes St. Peter in Salzburg (Fig. 91), ein 
Werk von ganz besonderer Zierlichkeit, wurde auf 
Befehl des Abtes Rupert V. aus dem adeligen Hause 
der Keuzl im Jahre 1494 vom Salzburgischen Goldar 
beiter Berthold angefertigt. In den Rechnungen aus der 
Zeit dieses Abtes heisst es davon: Item etiam comparavi 
unum clenodium in pondere latonorum XXIIII. minner I 
quintat, videlicet ain monstranczen deperlänsmueter mit 
ainem sarch und gesteed pey XXIIII. lib. den. et fecit 
pertoldusaurifaber. Das Ganze ist von Silberangefertigt, 
theilweise vergoldet, hat eine Höhe von 2' 2%" und 
stellt sich dar als ein äusserst teines und kostbares 
Reliquiar in Form eines spätgothischen Flügelaltares. 
Statt eines kugeligen oder durch gekreuzte Prismen ge 
bildeten Knaufes alsVerbindung des vierblättrigen Fusses 
mit dem Oberbau findet sich hier eine Art Pultkasten 
dessen rückwärtige Fläche glatt ist und auf dessen 
Vorderseite im blauen Emailgrunde ein aus Perl 
mutter geschnitzter Engel das Schweisstuch Veronica’s 
hält. Dieser Kasten war sicher bestimmt, heilige Reliquien 
aufzunehmen. Aus demPultkasteu entwickelt sich sofort 
der breite Stiel in spätgothischen Constructionsformen, 
dessen Mitte vorn ein Rundmedaillon von 2i/ a " Durch 
messer ein Basrelief aus Perlmutter, die Verkündigung 
Mariens darstellend, ausfüllt. Auf diesem ruht der Kasten 
des Flügelaltares mit einer Breite von 4" und einer Höhe 
von 7". Sind die beiden Flügel geöffnet, so beträgt 
die ganze Breite 9i/ 2 ". Die inneren Flächen sind alle 
mit teinen Perlmutter-Schnitzereien auf glänzendem 
Goldgründe ausgefüllt. Das Motiv der mittleren Haupt 
fläche stellt Jesus am Kreuze dar und an den beiden 
Flügeln sind das Gebet Jesu am Olberge, die Anklage 
vor Pilatus, die Kreuztragung und die Grablegung ab 
gebildet. Den Altarkasten schliesst nach oben und 
unten ein starker Tragbalken ab, von denen der untere 
die Jahreszahl „1494“ und der obere folgende Inschrift 
trägt: Inicium sapiencie timor Domini. Ecce ci primo 
und Rudberti abbatis persto ego iussu suo. Über 
den Altarkasten baut sich dann der im spätgothischen Ge- 
schmacke ausgeführte Giebel auf. Die Basis davon bilden 
drei Rundmedaillons, zwei kleinere und ein grösseres. In 
den zwei kleineren Medaillons sind die heiligen Georg 
und Katharina dargestellt, das erstere ist in Elfenbein 
geschnitzt und wahrscheinlich später einmal ergänzt 
worden, das letztere besteht aus Perlmutter. In der 
mittleren grösseren Scheibe aus Perlmutter ist Maria 
als Himmelskönigin mit dem Jesukinde auf dem Arme 
dargestellt, darüber steht unter dem Baldachin der 
Giebelspitze eine entblösste Gestalt von Silber, ohne 
ein typisches Attribut, welche wahrscheinlich ein Ecce 
Homo darstellen soll. Die Aussenflächen des vierblätt 
rigen Fusses und die Rückseiten des Styles und des Al 
tarkastens sind mit äusserst kunstvoll ausgeführten 
Gravur-Darstellungen ausgefüllt, so dass am ganzem 
clenodium kein Plätzchen ist. das der Künstler nicht 
ausgenUtzt hätte. Die Gravirungen auf der Rückseite des 
Kastens stellen, mit Bezug zur Kreuzigungsdarstellung 
das heil. Abendmal dar. An den Rückseiten der beiden 
Flügel sind, als Ergänzung zu den Perlmutterschnitzereien 
auf der Vorderseite, die Gefangennehmung Jesu, die Geis- 
selung, die Krönung und die Auferstehung behandelt. 
Wir geben davon die Abbildungen in Tafel IX. Ein Blick 
auf die Zeichnung der Figuren und der Gruppirung 
lässt darin unzweifelhaft ein Werk im Geiste der deut 
schen Künstler der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts 
erkennen. Auf der rückseitigen Fläche des Stieles, 
zwischen dem Altar- und Reliquienkasten, sieht man, 
im Gegensätze zu Maria Verkündigung, die Dar 
stellung des Weltgerichtes. Auf den Flächen des Fusses 
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Fig. 18. (Wien.)
	        
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