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bande geschmückte Glas-Cylinder ist zu bei
den Seiten mit sich verjüngenden schlanken
Streben umgeben und mit einer kleinen
Capelle bekrönt, die mit einer zierlichen
Spitze sammt Kreuzblume abschliesst. Die
Fussfläche zieren acht Vorstellungen in flach
getriebener Arbeit auf Silberplatten. Der
figurale Schmuck beschränkt sich blos auf
zwei Figuren, die an der Aussenseite des
Tabernakelbaues angebracht sind. Dieses
der Blüthezeit der Goldschmiedekunst an-
gehörige Gefäss dürfte gegen Ende des
XIV. Jahrhunderts angefertigt worden sein.
(Fig. 71.) (Mitth. d. Centr. Comm.XIII. p.LI.
und Salzburger Chronik. 1873, Nr. 64.) Das
Stift Klosterneuburg besitzt noch eine zweite
solche Monstranze, vielleicht etwas einfacher
und etwas jünger. Es dürfte hier der Ort
sein, die Aufklärung einzufügen, warum sich
so manche ältere Kunstgegenstände auf dieser
Ausstellung nicht einfanden, deren Existenz
den Freunden mittelalierlicher Kunst doch bekannt ist.
Wir nennen beispielsweise den herrlichen Kelch mit den
Email translucide sammt Patena und das eben erwähnte
Ostensorium aus dem Stifte Klosterneuburg, den Elfen
beinstab und der Vortragekrug aus dem Stifte Zwettel,
das Pedum, die beiden frühchristlichen Glaskrüge und
die Emailplatten, die zu einer Reliquientafel vereinigt
sind, aus dem Wiener Domschatze, der Elfenbeinbuch
deckel aus dem Stifte St. Taul u. s. w. Alle diese
Gegenstände befanden sich zur Zeit der Weltausstellung
neben vielen anderen Kostbarkeiten, darunter der Wei
fenschatz und der Schatz des deutschen Ordens im k. k.
Museum für Kunst und Industrie ausgestellt.
Das sogenannte Melker-Kreuz (Nr. 19), ent
haltend eine vom Markgrafen Adalbert 1045 dem gleich
namigen Stifte geschenkte Kreuzpartikel, die von Her
zog Rudolf IV. 1363 nebst anderen hinzugefügten
Reliquien mit einer kostbaren Fassung versehen wurde,
ist einer der werthvollsten Gegenstände der Ausstellung.
Es ist ein zwei Fuss hohes Kreuz aus Goldblech mifklee-
blattförmigenEnden. Die Vorderseite zeigt in getriebener
Arbeit den gekreuzigten Heiland, eine magereGestalt,doch
von guter Modellirung; in den Kleeblatt-Enden der Kreu
zesarme die vier Evangelisten in der dadurch seltsamen
Darstellungsweise,dass die Figuren die Köpfe der symboli
schen Thiere haben ; sie halten Streifen in den Händen,
auf denen ihre Namen stehen. Die Rückseite ist mit Perlen
und ungeschliffenen Edelsteinen geschmückt, von denen
die grösseren zugleich die Schrauben zum Öffnen
des Kreuzes bilden; einer derselben zeigt einen
wahrscheinlich antik geschnittenen Kinderkopf. Der
Grund ist mit ganz frei gearbeitetem Laubwerk
(Weinlaub), mit vielen zarten schwungvollen
Ranken und Blättern belegt, die inneren Bogen
um die Evangelisten sind theilweise emaillirt. An
jedem Kleeblattende der Rückseite sieht man in
einem Dreiecke oder Dreipasse drei Kronen in
gleicher Arbeit. Das Kreuz steht auf einem Fusse
aus vergoldetem Silber in Rosenform, der eckige
Knauf des Stieles zeigt in den vier vorragenden
Feldern die Buchstaben i. n. r. i. Der Fuss ist
sicherlich eine Zugabe des XV. Jahrhunderts
(Fig. 67 und 68).
Das prachtvolle Ciborium des Stiftes Klosterneu
burg (Fig. 58) ist aus vergoldetem Silber angefertigt und
hat eine Höhe von 1'iy g ". Der achttheilige Fuss ist
ziendich reich gehalten und auf der Fläche theils mit
Medaillons, darin die Evangelistensymbole, theils mit Fi
guren und Blatt- Ornamenten geziert (Fig 59), den Ständer
schmückt ein mit Glaspasten und Email ausgestatteter
Nodus. Die Schale sammt Deckel ist ebenfalls achtseitig
und vollständig mit in Email auf blauem Grunde ausge-
führten Darstellungen bedeckt. Am Deckel finden sich
acht Darstellungen, an der Schale ebenfalls acht, doch sind
sie untertheilt und ist jeder Darstellung noch das Bild
eines Propheten beigegeben.DerBilder-Cyclus beginntmit
der Verkündigung Mariens und endigt mit der Kreuzab
nahme. Eine weitere Darstellung findet sich in derCuppa,
nämlich die Auferstehung, und in der Höhlung des Fusses
die symbolische Beziehung auf die Auferstehung, nämlich
der seine Jungen anhauchende Löwe (Fig. 60). Cuppa und
Deckel dürften dem Anfang des XIV. Jahrhunderts an
gehören, während der Ständer in der ersten Hälfte des
selben Jahrhunderts entstanden und Wiener Arbeit ist
(Nr. 20). (S. Mitth. d. Centr. Cornm. VI, p. 272.)
Ein Reliquiarium, eigentlich ein erst im Laufe der
Zeiten dazu gemachter Becher sammt Deckel aus Berg-
krystall in silbervergoldeter Fassung; an der Spitze des
Deckels eine gekrönte Figur. Das Gefäss (Fig. 105) istlO"
hoch und mag aus dem XVI. Jahrhundert stammen. Die
Fig. 24.