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Fig. 25. (Salzburg.)
Reliquie bestellt in einem Zahne, der, an einem Kett
chen frei hängend, sich im Gefässe befindet (Nr. 21).
(S. Mitth. d. Centr. Comm. XIII, p. CXXIII.)
Ein nicht minder beachtenswerther Gegenstand ist
das dem Capucinerkloster gehörige Reliquiarin Form
einer Monstranze (Nr. 17, Fig. 74). Den flachen schei
benförmigen Fuss , der in seinem Aufbau zieilich
durchbrochen ist, schmückt vorn die eingravirte Dar
stellung des gekreuzigten Erlösers. Den Nodus bildet
ein aufrecht gestelltes Medaillon , das nach der einen
Seite das auf Pergament gemalte Bildniss des heiligen
Jacobus und Reliquien, auf der anderen Seite ein
vergoldetes Siegel , mit der Umschrift: Sigillum
judicum pacis saxoniae general, zeigt. Das Mittel
sttick der Monstranze bildet eine in Form eines Vier
passes gebildete, zierlich durchbrochene, aufrechtgestellte
Scheibe mit den vierEvangelisten-Symbolen, in der Mitte
eine kleine Capsel (enthaltend Sanguis Christi). Zwei
Fialen an den Seiten und ein Spitzgiebel in der Mitte,
darin auf der Vorderseite das gemalte Bildniss des
Heilands, auf der Rückseite im getriebenen Relief das
des heiligen Jacobus als Bischof, schliessen den Aufbau
ab. Dieses herrliche, mit Steinen reich geschmückte,
silberne und vergoldete und in seiner Form höchst origi
nelle Gefäss stammt aus dem XV. Jahrhundert , das
Siegel und das getriebene Relief am Giebel dürften
mindestens um ein Jahrhundert älter sein.
Die untere Abtheilung dieser Vitrine enthielt zwei
vorzügliche Gegenstände aus der Sammlung Rothschild,
als: ein Kästchen von Ebenholz (Nr. 23) mit Reliefs und
Ornamenten von Silber und Gold, auf dem Deckel eine
liegende Figur, die Wahrheit vorstellend, welche ein
Medaillon mit den Porträts Kaiser Heinrich’s IV. von
Frankreich und dessen Genialin Maria von Medici in
der Hand hält, französische Arbeit des XVI. Jahrhun
derts ; ferner eine Schüssel von vergoldetem Silber mit vier
Reliefs, darauf Darstellungen aus der römischen Ge
schichte, in der Mitte die freistehende Figur Kaisers
Augustus, unzweifelhaft italienische Arbeit des XVI.
Jahrhunderts. (Nr. 22.)
Ferner fanden sich daselbst: Zwei dem Stifte Kloster
neuburg gehörige Elfenbein - Diptychen aus dem XI\ .
Jahrhundert, das eine vorstellend die Anbetung durch die
heiligen drei Könige und Christus am Kreuze, das andere,
theilweise bemalt und vergoldet, mit Doppelbildern, dar
stellend: die Verkündigung Mariens, die Geburt Christi,
denTod und dieKrönungder heiligen Jungfrau (Nr. 24 und
25). EinEvangeliarium mit Buchdeckel aus vergolde
tem Silber mit Email und Steinschmuck; in der Mitte die
hochgetriebene Figur des segnenden Christus, von einer
emaillirten Mandorla umschlossen und auf dem Regenbo
gen sitzend; im Grunde kräftige Laubranken, in den Ecken
die Symbole der vier Evangelisten , sämmtliche Darstel
lungen, sowie die Umrahmung getriebene, Arbeit; auf
dem hinteren Deckel befinden sich vier Bergkrystalle,
um das liegende Buch aufschlagen zu können, nebst
zwei Ringen , um dasselbe aufzuhängen, endlich sind
an der unteren Seite beider Deckel Füsschen ange
bracht, mit deren Hilfe das Buch gestellt werden kann.
Dem Evangelium eines jeden Evangelisten geht sein
auf Goldgründe gemaltes Bildniss vor. Die Schluss
worte des auf Pergament mit rothen gothischen Buch
staben geschriebenen Textes lauten: Iste über ecclesiae
s. Mariae in Hier et est scriptus an. dmi MCCCXXV,
ad laudem et gloriam sanctae virginis Mariae, worauf ein
Anathema über den Entwenderfolgt. Der Einband stammt
aus dem XIV. Jahrh., Eigenthum der Stadt-Gemeinde
Wiener-Neustadt (Nr. 27 , Fig. 95). Zwei Niellotafeln
von vorzüglicher italienischer Arbeit des XV. Jahrhun
derts; Eigenthümer A. Freiherr v. Rothschild. Aut der
einen die Taufe Christi, oben die Hochzeit von Cana,
unten die Erweckung des Lazarus, herum ein ornamen
taler Rahmen; auf der andern die Geburt Christi, oben
die Verkündigung, unten die Anbetung der heiligen
drei Könige (Nr. 29 und 31). Drei Medaillons von
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CMSDÄBOMON
HODIGÄMORMN
Fig 26. (Salzburg.)
Perlmutter mit der Geburt Christi, Pietas und die Drei
faltigkeit (XV. Jahrhundert, Stift Klosterneuburg.
Nr. 26), das Porträt des Georg Tannstetter mit seinem
Sohne (7" hoch, 5</ 3 " breit), Holzschnitzwerk aus
dem Jahre 1521 (Stilt Melk Nr. 32). Georg Tann
stetter von Thonau, war Arzt und Astronom, zuletzt
Leibarzt Kaisers Maximilian I., geboren 1482 zu Rain