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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

- Ui — 
Fig. 26. (Göttweig.) 
in Baiern, gestorben zu Wien um 1567. Der Um- 
rahmungsleisten hat die Inschrift: Georgii Tannstetter 
Collimitii quondam divi Caes . | Maxi . Phisici et Mathe- 
matici icon etatis sue an 38 mense 16 icon item filii sui 
charis j Christiani etatis sue an: 4 mense Z . an . cliri . 
1521. Dieses, einen wesentlichen Beitrag zur Costiim- 
kunde liefernde Schnitzwerk ist noch mit dem brei 
ten Originalrahmen versehen. Es zeigt das Bild dieses 
am Hofe Max I. lebenden Mannes en face mit etwas 
zu breit gehaltenem vollen Gesichte; übrigens eine 
beachtenswerthe Arbeit. Ein Belief aus gebranntem 
und bemaltem Thon, vorstellend Margaretha, Tochter 
Kaisers Maximilian (Nr. 33). Dieses vom Regie- 
rungsrathe Albert Ritter vonCamesina ausgestellte Relief, 
das die Umschrift: „Margarita . cesaom . austrie . vnica 
. filia . et . amita. 1528“ hat, ist auch insofern 
beachtenswerth, als es Aufklärung gibt über jenes kost 
bare bekannte Schnitzwerk, vorstellend eine weib 
liche Büste, das aus der Sammlung Böhm’s in die des 
Freiherrn von Rothschild überging. Es ist bei der auf 
fallenden Ähnlichkeit beider Darstellungen kein Zweifel, 
dass beide Kunstwerke sich auf die gleiche Persönlich 
keit beziehen. Hier fanden wir auch das nicht minder 
werthvolle viertheilige silbervergoldete Altar chen aus 
dem Salzburger Domschatze S'/g" hoch und 1 */ a breit, 
mit den silbervergoldeten und in Relief ausgeführten Dar 
stellungen aus der Passionsgeschichte (Kreuzigung, 
Grablegung, Auferstehung und Erscheinung im Garten); 
die Rückseite dieses dem XV. Jahrhundert angehörigen 
Kleinods zeigt demselben Gegenstände entnommene 
Emailmalereien der herrlichsten Arbeit (Christus am 
Ohlberg, Verrath des Judas, Geisselung und Kreuz 
tragung) (Nr. 35, Fig. 1), endlich einen Becher von 
Cocusnuss in Fassung von vergoldetem Silber, auf dem 
Deckel Johannes derTäufer (XVI. Jahrhundert, Stift Alten 
burg Nr. 38), mehrere Kästchen und Schalen von Achat, 
Krystall und Bernstein, kleinere Elfenbeinschnitzwerke, 
Rococo-Messkänncken sammt Tasse aus Silber vergoldet, 
Uhren , Dosen, mehrere Kästchen aus Email und 
Schildpatt mit Besatz von Goldstiften, ferner Kästchen 
mit Beinbesatz,Schmuckgegenstände, Essbestecke,Leuch- 
ter, drei schöne Emailporträts (Peter der Grosse, Karl VI. 
und dessen Gemahn) aus dem XVIII. Jahrhundert, endlich 
Watfen, darunter schön eingelegte Pistolen, zierliche 
Dolche, ein Kurzschwert, ein Hirschfängergriff, u. s. w. 
Bedeutendere Gegenstände dieser Vitrine waren 
ferner eine eylinderförmige aussen polygone, aufreckt- 
stehende K ry s t a 11 r ö h r e (Nr. 36, Fig. 83), die auf vier 
den Bärentatzen ähnlichen Füssen ruht, mit denen die 
gezähnte und schön profilirte, aus Silber angefertigte 
untere Einfassung des Cylinders in Verbindung steht. 
Auf dem Deckel ein eingravirtes Medaillon, vorstellend 
die Verkündigung. Dieses dem XV. Jahrhundert ange- 
hörige Reliquiar gehört in die Sammlung der Heilig- 
tkUmer des Capucinerklosters in Wien. (Mitth. der 
Centr. Comin. XIII., pag. CXXII.) Die Reliquie selbst 
besteht in einem aus rotliem Seidenstoffe angefertigten 
Käppchen, das dem heil. König Stephan zugeschrieben 
wird. Dasselbe ist reich mit Goldfaden gestickt und zeigt 
in dem Stickmuster ein schönes aus Pflanzenwindungen 
und eingestreuten Vögeln gebildetes frühgothigsches 
Ornament. (Fig. 111.) Mit der Bezeichnung: Trink 
becher des heil. Ulrich. Bischof zu Augsburg 
(923—973), fand sich ein dem Stiftsschatze zu Melk 
entnommenes, in Fig. 11 abgebildetes Gefäss, das aus der 
grösseren Hälfte eines ausgehöhlten Kürbisses besteht, 
doch ist dieser bereits an vielen Stellen schadhaft und 
löcherig, daher in neuerer Zeit etliche Metallspangen 
zum Zusammenhalten derselben angelegt wurden. Innen 
ist die Schale mit Silberblech bekleidet und am Boden 
mit einem sehr beachtenswerth en vorgoldeten Medaillon 
geziert, darinnen auf punzirtem Grunde in Relief die 
auf einem Faltistorium sitzende Figur dieses heil. Bischofs 
angebracht ist. Die Figur ist mit faltenreicher Glocken- 
Casel angethan, trägt das Pallium und eine niedrige 
Mitra, hält in der linken Hand ein einfaches Pedum, die 
Rechte ist zum Segen erhoben. An der Aussenseite ist 
der Rand der Schale mit einem breiten Silberreif 
mm 
Fig. 27. (Admont.)
	        
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