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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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Fig. 31. (Salzburg.) 
kleineren Nischen je ein Bischof (S. Blasius und?). Mit 
Rücksicht auf die beiden erwähnten Figuren und den 
gothischen Charakter dieses Prachtstückes ist anzu- 
. nehmen, dass es unter Abt Arnold II. (1247 — 1276) ent 
standen ist. Ob es eine Reliquientafel ursprünglich war, 
oder der Rest eines Retabulums ist, bleibt zweifelhaft. 
Jedenfalls stammt dieses Relief, gleich der schon be 
sprochenen Monstranze und manchen noch zu erwäh 
nenden Gegenständen aus dem aufgehobenen , berühm 
ten Benedictiner-Kloster St. Blasien im Schwarzwald, 
dessen Priestern Kaiser Franz I., als sie die altehrwür- 
dige Stiftung in Folge der politischen Stürme in Deutsch 
land im Jahre 1805 verlassen mussten, das seit Kaiser 
Josef II. verödete Kloster St. Paul in Kärnten im Jahre 
1809 gastlich zur neuen Heimath überliess (Nr. 30, s. 
Tafel I. Mitth. d. Centr. Comm. XIII., pag. CXXII). 
Hier fand sich auch der interessante T r a g a 11 a r aus 
dem StifteAdmont in Steiermark(Nr.295). Unter Tragaltar 
versteht man in der katholischen Kirche ein derartig 
geformtes Reliquiar, dass sich dessen der Priester bei 
Celebrirung der Messe als Unterlage bedienen konnte, 
um die Hostie darauf zu legen und den Kelch darauf zu 
stellen. Nachdem denVorschriften derkatholischen Kirche 
gemäss nur jener Altar zum Messe lesen geeignet ist, der 
mit einem solchen Reliquienbehältniss versehen ist, so 
bediente sich in früheren Zeiten die Priester dieserTrag- 
altäre besonders auf Reisen, um an beliebiger Stätte 
mit Benützung derselben die heilige Messe aufopfern zu 
können. Dieser schon erwähnte Tragaltar hat die Form 
einer viereckigen Platte von 16" Breite und 7i/ 3 " Höhe 
und s/ 4 " Dicke. Die in der Mitte des Altars befindliche 
Platte, ein Amethystquarz, ist in einen Holzrahmen 
gefasst, dessen Vorderseite mit dünnen und durch Nägel 
befestigten Metallplatten von Silber überzogen ist. 
Dieselben sind vergoldet und enthalten in den zwölf 
vierpassförmigen Feldern folgende in Niello ausgeführte 
und gutgezeichnete Darstellungen: In der oberen 
Schmalseite: 1. Petrus, 2. Christus als Weltenrichter, 
3. Paulus; in der unteren Schmalseite: 4. Maria mit 
dem Kinde, 5. und 6. die heiligen drei Könige. (Die 
Zwischenräume der drei Felder sind hier mit den Brust 
bildern der Propheten ausgefüllt.) In der rechten 
Längenseite: 7. Das Evangelistenzeichen des Mat 
thäus. 8. Ein Apostel. 9. Das Evangelistenzeichen 
des Marcus. In der linken Längenseite: 10. Das 
Evangelistenzeichen des heiligen Limas. 11. Ein Apo 
stel. 12. Das Evangelistenzeichen des heil. Johan 
nes. An der Randfläche des Rahmens des Tragaltars 
läuft folgende Inschrift herum: Anno dominiMCCCLXXV 
reverendus pater dominus Albertus de Sternberg 
episcopus Luthomiclensis consecravit hoc altare in ho 
norem beate marie virginis gloriose amen. Die Inschrift 
ist auf die Metallflächen flach und zart getrieben und dann 
ciselirt. Die Rückseite des Tragaltars ist gleichfalls in 
zwölf Felder getheilt, worin sich zwei Wappen regelmässig 
wiederholen. Das eine führt im Schilde ein Kreuz und soll 
jenes des Bisthumes von Leitomischl sein; das zweite 
führt im Schilde einen Stern und ist das Familienwappen 
der Sternberge, von denen das Mitglied Albertus, Bischof 
von Leitomischl, wie die Inschrift bezeugt, den Altar im 
Jahre 1375 anfertigen liess. Die Felder mit den Wappen 
und die dazwischen befindlichen Ornamente sind mit 
gravierter Stanze gepresst und diese Blechstücke ent 
sprechend zusammengefügt. Fig. 89 und Taf. II. (S. 
Mitth. d. Centr. Comm. V., pag. 23.) 
Ein Weihbrunnen aus Silber von vorzüglicher 
deutscher Arbeit des XVI. Jahrhunderts, in der Mitte 
Christus am Kreuze, herum kleine Reliefs mit Scenen 
aus dem Leben Christi (Nr. 79). 
/\Ein Spiegeldeckel von Elfenbein, auf der Rück 
seite mit der Darstellung der Erstürmung einer Liebes- 
burg, ein sehr beliebtes, weltliches Thema (Nr. 78). 
Auf diesem aus dem XIV. Jahrhundert stammenden 
und dem Stifte Rein in Steiermark gehörigen, sein- 
interessanten Schnitzwerke zeigt sich die Breitseite 
Fig. 32. (Heiligenkreuz.) 
eines viereckigen Burg - Baues , in der Mitte das 
mit einem Fallgitter versehene Thor , flankirt von 
thurmähnlichen Vorbauten. Auf der Zinne ein verwun 
deter Ritter, hingesunken zu den Füssen einer Dame; 
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