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Figürcken (Werke deutscher Emailleurkunst). Die Dar
stellungen variiren nur wenig, wir sehen Christus als
Weltenrichter oder am Kreuze, daneben Maria und Jo
hannes, die vier Evangelistensymbole, Engel im Brust
bilde etc. Zwei dieser aus dem XII. Jahrhundert stammen
den Schreinchen sind mit durchbrochenem Firstkamme
geschmückt (Nr. 113, 127. S. Mitth. d. Cent. Com. VI.
p. 239 und XIII. p, CXVIII). Drei derselben gehören
dem Stifte Klosterneuburg, eines jenem zu Kremsmünster.
Fig. 34 gibt die Abbildung des letzteren, Fig. 35 eines
solchen Schreines der Sammlung zu Klosterneuburg.
Zu den seltenen kirchlichen Gegenständen gehören
die beiden Reise - un d Tragaltäre (Nr. 115,124), die
das Stift Melk_zur Ausstellung brachte. Es sind dies kleine
Kästchen mit flacher Oberplatte und auf vier Füssen
ruhend.Der innere Raum hatte die Reliquien aufzunehmen,
auf der Tischfläche lag die Hostie sammt Patene und stand
der Kelch. Das eine dieser beiden Gestatorien gehört
noch dem XI. Jahrhundert an. Der in der Mitte der mit
reichem Elfenbeinbesatz geschmückten Deckplatte be
findliche Altarstein, ein Serpentin, ist sehr klein und von
oblong-viereckiger Form. Ein schmaler Silberstreifen
bildet seine eigentliche Einfassung, darauf ist folgende In
schrift : Da sumenda et Clemens sacra cruoris f jho Xpe tui
miseria corporis. Die weitere Umrahmungbildet ein brei
tes Elfenbeinband mit kleinen aber höchst interessanten
Sculpturen, als: nimbirte Engel, eine Scheibe, darin das
Lamm Gottes, in einem Kranze die Hand Gottes auf
dem Kreuze ruhend, Prophetengestalten, Evangelisten
symbole etc. Nach aussen ist Mer Deckel von einem
Silberbande eingefasst, das leider nicht mehr ganz er
halten ist, was um so mehr zu bedauern ist, als die In
schrift Aufschluss gibt über die Spenderin dieses Klein
odes. Aus dem Inschriftfragment ist zu entnehmen, dass
dieses Tragaltärchen das Geschenk der Markgräfin
Schwanhilde, der Gemalin Ernst des Tapferen (1056 bis
1075) aus dem Hause Babenberg, des Besiegers der
Sachsen an der Unstrut, ist, dessen vorzüglicher Gunst sich
das in der markgräflichen Residenz Melk errichtete Stift
weltlicher Chorherren zu erfreuen hatte. Die Seitenwände
des Schreines sind ebenfalls mit Elfenbeinschnitzereien
geziert, leider aber hat eine Schmalseite diesen Schmuck
bereits verloren. Die Vorstellungen sind Maria Verkün
digung, deren Besuch bei Elisabeth, die Geburt Christi
und deren Verkündigung an die Hirten, die Anbetung
durch die drei Könige, die Taufe, der Einzug in Jeru
salem und das Abendmahl (Fig. 13). Der zweite Schreinist
beiläufig um ein halbes Jahrhundert jünger. In der
Mitte der Deckplatte ist ein Porphyr eingelassen, auf
dessen bandförmiger kupfervergoldeter Einfassung
folgende Worte zu lesen sind: Plus valuit cunctis
Johannes voce preconis inquit en agne di qui tollit crimina
mundi; was dahin deutet, dass der Altar eine Reliquie
des Vorläufers Christi enthalten haben dürfte. Der
breite Holzrand der Oberfläche ist mit dunkelrotkem
Sammt überzogen. Die Seitenwände sind ebenfalls mit
Elfenbeinreliefs geziert, doch haben dieselben, wenn
gleich werthvoll, doch einen minderen Kunstwerth, als
die des anderen Schreines. Wir sehen Christus als
Weltrichter, die Verkündigung, Geburt Christi und die
drei Könige; eine aus den Wolken herabreichende Hand
mit einem Kranze, Christus umgeben von mystischen Ge
stalten und endlich eine Wiederholung der ersten Vor-
stellung (Fig. 14). Die Figuren sind derb und hart,
doch ist daran byzantinischer Einfluss nicht zu erkennen.
(S. Mitth. der Central-Commission XV. p. XXXI.)
Aus dem Schatze des Wiener Domes sahen wir hier
ein Reliquienkästchen, das noch dem XIII. Jahrh.
Fig. 36. (Voran.)