21
angehören mag (Nr. 117). Es ist von Holz und mit
beinernen Plättchen überzogen. Dasselbe zeigt auf den
Aussenflächen theils Laubwerk, theils drachenartige
in eimulder verschlungene Thiere eingravirt. Die Linien
der Gravirung sind schwarz und roth ausgefüllt (Eig 18,
S. Mitth. d. Central-Commission XIII. p. CXIX). Ein
anderes, sehr beachtenswerthes in Elfenbein ausge
führtes Schnitzwerk ist das unter Nr. 119 ausgestellte
und dem Stifte Seitenstetten gehörige. Dieses dem XII.
Jahrhundert entstammende Schnitzwerk (4y 2 ' lang, 4'
breit) zeigt in der Mitte den sitzenden Christus, die
Füsse auf dem in einem Kranze befindlichen Bogen
gestützt, in der Linken das Buch, die Rechte wie
segnend ausstreckend gegen ein Kirchenmodell, das
eine gekrönte Figur im Arme hält. Ein Heiliger führt
den Donator und nimmt ihn gleichsam in Schutz,
auf der anderen Seite des Heilands Petrus mit den
sein Monogramm bildenden Schlüsseln und zwei Hei
lige (3. Jahrbuch II. p. 126, Fig. 15). Der Grund ist
geschacht, mit abwechselnd ganz durchbrochenen Fel
dern. Zeigt dieses Schnitzwerk eine gewisse Strenge in
der Gruppirung, der den byzantinischen Einfluss un
zweifelhaft erkennen lässt, so ist das nächstfolgend zu
besprechende von einer Zartheit und Weichheit der
Behandlung , und mit der grössten Präcision bis ins
kleinste Detail durchgeführt, die auf die in der früh-
romanischen Zeit noch bestandenen Traditionen der
Antike hinweist. Es ist diess jenes höchst merkwürdige
Elfenbein- Schnitzwerk aus dem Stifte Heiligen
kreuz (Nr. 120), das der früh-romanischen Zeit ange
hört. In einer Umrahmung von Akanthusblättern ist der
heil. Gregor dargestellt, er sitzt am Schreibpulte, mit
dem Griffel in der Hand, und die Taube schwebt, hin
inspirirend, an seinem Ohre. Über dem Schreibpulte
erhebt sich, von zwei Säulen getragen, ein Baldachin
sammt Thürmen und Zinnen, vom Gewölbescheitel hängt
eine zierliche Lichterkrone herab, ein faltenreicher Vor
hang ist nach beiden Seiten zurückgeschlagen, in der unte
ren Abtheilung des Schnitzwerkes sieht man drei schrei
bende Mönche. Gregor hat als Bekleidung eine lange
Tunica, ist bartlos, mit etwas breitem Gesichte und kurzer
Gestalt; ebenso bekleidet sind die Mönche, und sämmt-
liche Figuren überhaupt kurz und gedrungen. Die ganze
Architektur hat entschieden spät-römischen Charakter.
Die Meinung über das Alter dieses Schnitzwerkes ist
sehr abweichend; während einerseits von einigen Fach
männern noch das XII. Jahrhundert angenommen wird,
setzen andere dafür das VI. Jahrhundert an, wofür nach
der Ansicht des Referenten die grössere Wahrschein
lichkeit spricht (Taf. III).
Unter Nr. 122 des Katalogs erscheint eine Elfen
beintafel (Eigenthum des Stiftes Klosterneuburg) mit
der legendarisch-symbolischen Darstellung des Todes
Mariens. Die heil. Mutter liegt umgeben von sämmtlichen
Aposteln auf einem hohen, von dünnen Säifien getra
genen Bette, die Hände über der Brust gekreuzt; Petrus
schwingt das Rauchfass. Gegen die Mitte des Bettes zu
steht Christus, mit beiden Händen die Seele Mariens in
Fig. 37. (Tepl.)