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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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angehören mag (Nr. 117). Es ist von Holz und mit 
beinernen Plättchen überzogen. Dasselbe zeigt auf den 
Aussenflächen theils Laubwerk, theils drachenartige 
in eimulder verschlungene Thiere eingravirt. Die Linien 
der Gravirung sind schwarz und roth ausgefüllt (Eig 18, 
S. Mitth. d. Central-Commission XIII. p. CXIX). Ein 
anderes, sehr beachtenswerthes in Elfenbein ausge 
führtes Schnitzwerk ist das unter Nr. 119 ausgestellte 
und dem Stifte Seitenstetten gehörige. Dieses dem XII. 
Jahrhundert entstammende Schnitzwerk (4y 2 ' lang, 4' 
breit) zeigt in der Mitte den sitzenden Christus, die 
Füsse auf dem in einem Kranze befindlichen Bogen 
gestützt, in der Linken das Buch, die Rechte wie 
segnend ausstreckend gegen ein Kirchenmodell, das 
eine gekrönte Figur im Arme hält. Ein Heiliger führt 
den Donator und nimmt ihn gleichsam in Schutz, 
auf der anderen Seite des Heilands Petrus mit den 
sein Monogramm bildenden Schlüsseln und zwei Hei 
lige (3. Jahrbuch II. p. 126, Fig. 15). Der Grund ist 
geschacht, mit abwechselnd ganz durchbrochenen Fel 
dern. Zeigt dieses Schnitzwerk eine gewisse Strenge in 
der Gruppirung, der den byzantinischen Einfluss un 
zweifelhaft erkennen lässt, so ist das nächstfolgend zu 
besprechende von einer Zartheit und Weichheit der 
Behandlung , und mit der grössten Präcision bis ins 
kleinste Detail durchgeführt, die auf die in der früh- 
romanischen Zeit noch bestandenen Traditionen der 
Antike hinweist. Es ist diess jenes höchst merkwürdige 
Elfenbein- Schnitzwerk aus dem Stifte Heiligen 
kreuz (Nr. 120), das der früh-romanischen Zeit ange 
hört. In einer Umrahmung von Akanthusblättern ist der 
heil. Gregor dargestellt, er sitzt am Schreibpulte, mit 
dem Griffel in der Hand, und die Taube schwebt, hin 
inspirirend, an seinem Ohre. Über dem Schreibpulte 
erhebt sich, von zwei Säulen getragen, ein Baldachin 
sammt Thürmen und Zinnen, vom Gewölbescheitel hängt 
eine zierliche Lichterkrone herab, ein faltenreicher Vor 
hang ist nach beiden Seiten zurückgeschlagen, in der unte 
ren Abtheilung des Schnitzwerkes sieht man drei schrei 
bende Mönche. Gregor hat als Bekleidung eine lange 
Tunica, ist bartlos, mit etwas breitem Gesichte und kurzer 
Gestalt; ebenso bekleidet sind die Mönche, und sämmt- 
liche Figuren überhaupt kurz und gedrungen. Die ganze 
Architektur hat entschieden spät-römischen Charakter. 
Die Meinung über das Alter dieses Schnitzwerkes ist 
sehr abweichend; während einerseits von einigen Fach 
männern noch das XII. Jahrhundert angenommen wird, 
setzen andere dafür das VI. Jahrhundert an, wofür nach 
der Ansicht des Referenten die grössere Wahrschein 
lichkeit spricht (Taf. III). 
Unter Nr. 122 des Katalogs erscheint eine Elfen 
beintafel (Eigenthum des Stiftes Klosterneuburg) mit 
der legendarisch-symbolischen Darstellung des Todes 
Mariens. Die heil. Mutter liegt umgeben von sämmtlichen 
Aposteln auf einem hohen, von dünnen Säifien getra 
genen Bette, die Hände über der Brust gekreuzt; Petrus 
schwingt das Rauchfass. Gegen die Mitte des Bettes zu 
steht Christus, mit beiden Händen die Seele Mariens in 
Fig. 37. (Tepl.)
	        
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