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Full text : Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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grösseren  Anzahl  Gläubiger  das  heilige  Abendmahl  gespendet ­
  werden  konnte,  und  mit  Handhaben  versehen,
damit  den  Diaconen  der  Gebrauch  derselben  erleichtert
war.
Die  Austheilung  des  Weines  geschah  alsdann  mittelst ­
  eines  kleinen  Saugrohres  (fistula,  calmus)  aus
Gold,  Silber,  Elfenbein,  welches  mit  einer  oder  mehreren
Handhaben  versehen  war.
Die  kleinen  Kelche  zerfallen  nach  ihrer  Bestimmung ­
  in  gewöhnliche  Messkelche,  in  solche  ,  die  bei
feierlichen  Gelegenheiten  gebraucht  wurden,  (Pontificalkelche),
  ferner  Reisekelche,  welche  klein  und  oft  zum  Auseinanderlegen ­
  eingerichtet  waren,  und  endlich  Grabkelche, ­
  meistens  klein  und  von  werthlosem  Metall,  die
man  den  Bischöfen  ins  Grab  zu  geben  pflegte.
Von  dem  Stifte  Klosterneuburg  wurde  ein  solcher
Reisekelch  sammt  Patena,  Hostienbüchse  und  Messkännchen ­
  aus  dem  XV.  Jahrhundert  (Nr.  116,  Fig.  57)
zur  Ausstellung  gebracht.  Seine  Bestimmung  als
Reise-Kelch  charakterisirt  sich  dadurch,  dass  er  in  drei
Theile  zerlegbar  ist,  die  mittelst  eines  am  Fusse  befindlichen ­
  Zapfens  in  einander  geschraubt  werden  können.
Die  Messkännchen  sind  so  geformt,  dass  sie  der  Fläche
des  Fusses  aufgelegt  werden  können,  darüber  konnte
sodann  die  Cuppa  gestürzt  werden.  In  die  Höhlung
des  Fusses  passt  die'Hostiencapseljund  als  letzter  Schluss
dient  die  Patene,  die  in  ihrer  Mittelfläche  mit  einem
gravirten  Osterlamm  sammt  Fahne  geziert  ist.  (S.  Mitth.
d.  Centr.  Comm.  VI.  pag,  268.)
Der  älteste  der  in  Deutschland  bekannten  Kelche
befindet  sich  in  der  Abtei  Kremsmünster  und  wird  durch
seine  Inschrift:  „Tassilo  dux  fortis  Liutpirc  virga  regalis“

  als  Widmung  des  Herzogs  Tassilo,  welcher  das  Kloster ­
  777  gegründet  hat,  bezeichnet.  Seine  Form  ist  primitiv, ­
  beinahe  plump,  und  wenig  gegliedert,  der  trichterförmige ­
  Fuss  und  Knauf  gehen  in  einander  Uber  und
nur  die  6"  weite  stark  ausgebauchte  eiförmige  Cuppa
wird  durch  einen  Perlenstab  von  den  unteren  Theilen
gesondert.  Die  Höhe  des  ganzen  Kelches  beträgt  10".
Das  Material  ist  Kupfer  ,  welches  mit  Silberplättchen
und  Niello  auf  dem  stark  vergoldeten  Kupfergrund  aufgetragen ­
  und  besetzt  ist.  Die  Brustbilder  Christi,  der  Evangelisten ­
  mit  ihren  Symbolen  und  vier  männlicher  Heiligen,
in  Medaillonform  auf  der  Cuppa  und  dem  Fusse  angebracht, ­
  sind  interessante  Zeugen  der  barbarischen,  noch
rohen  und  styllosen  fränkischen  Kunst;  die  Verschlingungen ­
  und  Windungen  ,  die  die  Medaillons  umziehen,
erinnern  an  die  angelsächsische  Kunst.  Dieser  Pokal  ist
desshalb  von  hervorragendem  Interesse,  weil  er  das
Zeugniss  gibt,  dass  man  sich  schon  in  der  carolinischen
Epoche  vom  verknöcherten  byzantinischen  Typus  zu
emancipiren  begann.  Ob  der  Kelch,  der  mit  Rücksicht
des  Charakters  der  Ornamente  ein  heimisches  Werk
            
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