24
grösseren Anzahl Gläubiger das heilige Abendmahl gespendet
werden konnte, und mit Handhaben versehen,
damit den Diaconen der Gebrauch derselben erleichtert
war.
Die Austheilung des Weines geschah alsdann mittelst
eines kleinen Saugrohres (fistula, calmus) aus
Gold, Silber, Elfenbein, welches mit einer oder mehreren
Handhaben versehen war.
Die kleinen Kelche zerfallen nach ihrer Bestimmung
in gewöhnliche Messkelche, in solche , die bei
feierlichen Gelegenheiten gebraucht wurden, (Pontificalkelche),
ferner Reisekelche, welche klein und oft zum Auseinanderlegen
eingerichtet waren, und endlich Grabkelche,
meistens klein und von werthlosem Metall, die
man den Bischöfen ins Grab zu geben pflegte.
Von dem Stifte Klosterneuburg wurde ein solcher
Reisekelch sammt Patena, Hostienbüchse und Messkännchen
aus dem XV. Jahrhundert (Nr. 116, Fig. 57)
zur Ausstellung gebracht. Seine Bestimmung als
Reise-Kelch charakterisirt sich dadurch, dass er in drei
Theile zerlegbar ist, die mittelst eines am Fusse befindlichen
Zapfens in einander geschraubt werden können.
Die Messkännchen sind so geformt, dass sie der Fläche
des Fusses aufgelegt werden können, darüber konnte
sodann die Cuppa gestürzt werden. In die Höhlung
des Fusses passt die'Hostiencapseljund als letzter Schluss
dient die Patene, die in ihrer Mittelfläche mit einem
gravirten Osterlamm sammt Fahne geziert ist. (S. Mitth.
d. Centr. Comm. VI. pag, 268.)
Der älteste der in Deutschland bekannten Kelche
befindet sich in der Abtei Kremsmünster und wird durch
seine Inschrift: „Tassilo dux fortis Liutpirc virga regalis“
als Widmung des Herzogs Tassilo, welcher das Kloster
777 gegründet hat, bezeichnet. Seine Form ist primitiv,
beinahe plump, und wenig gegliedert, der trichterförmige
Fuss und Knauf gehen in einander Uber und
nur die 6" weite stark ausgebauchte eiförmige Cuppa
wird durch einen Perlenstab von den unteren Theilen
gesondert. Die Höhe des ganzen Kelches beträgt 10".
Das Material ist Kupfer , welches mit Silberplättchen
und Niello auf dem stark vergoldeten Kupfergrund aufgetragen
und besetzt ist. Die Brustbilder Christi, der Evangelisten
mit ihren Symbolen und vier männlicher Heiligen,
in Medaillonform auf der Cuppa und dem Fusse angebracht,
sind interessante Zeugen der barbarischen, noch
rohen und styllosen fränkischen Kunst; die Verschlingungen
und Windungen , die die Medaillons umziehen,
erinnern an die angelsächsische Kunst. Dieser Pokal ist
desshalb von hervorragendem Interesse, weil er das
Zeugniss gibt, dass man sich schon in der carolinischen
Epoche vom verknöcherten byzantinischen Typus zu
emancipiren begann. Ob der Kelch, der mit Rücksicht
des Charakters der Ornamente ein heimisches Werk