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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

vermuthen lässt, ursprünglich kirchliche Bestimmung 
hatte, sind die Fachgelehrten verschiedener Meinung; 
Referent neigt sich der Anschauung hin, dass der 
Kelch stets nur profane Bestimmung hatte (Nr. 151). 
Siehe die beigegebene Tafel. IV. (Mitth. der Centr. 
Conim. III. Band.) 
Als Beispiel der erwähnten Communion-Kelche sei 
vorerst jener im Stifte Wilten in Tyrol besprochen. 
Er ist aus Silber, im Feuer vergoldet, und stammt 
aus dem Ende desXII. Jahrhunderts. Der Fussist kreis 
rund (6" 8"' Durchmesser) und fast flach. Der Schaft 
cylinderförmig, mit einem runden Knauf versehen. Die 
mit zwei Henkeln versehene Cuppa bildet im Profil 
einen regelmässigen Halbkreis mit einem Durchmesser 
von 5" 8i/ 2 "'. Als Trennungsglieder zwischen der Cuppa 
und dem Knaufe, so wie zwischen diesem und dem 
Fusse sind Ringe in Form von Eierstäben angebracht. 
Einen besonderen Werth hat der Kelch durch den Reich 
thum ornamentaler und figuralischer Ausschmückung, 
mit denen er im wahren Sinne des Wortes übersäet ist, 
dass nicht der kleinste unverzierte Raum übrig bleibt. 
In ornamentaler Beziehung tritt als Hauptanordnung 
an dem Kelche die Eintheilung der Flächen des Fusses 
und der Cuppa in runde, aus verschlungenen Band 
streifen gebildete Felder hervor, von denen jedoch nur 
jene des Fusses eine regelmässige Kreislinie bilden, 
jene der Cuppa hingegen etwas verzogen erscheinen. 
Sämmtliche Felder sind mit Scenen des alten und 
neuen Testaments geschmückt. Die ornamentale Tech 
nik besteht theils in Gravirung und Niellirung vor 
züglichster Art, theils in getriebener und gegossener 
Arbeit; letzterer Art sind der Knauf mit -den beiden 
Ringen und die Henkel, deren Ornament aus stylisirtem 
Laubwerke mit zwei Perlenstreifen an der Randseite 
besteht. Der Knauf ist nahezu ringartig und zeigt in er 
habener Arbeit die vier Paradiesflüsse Geon, Tyron, 
Tigris, Eufrat. 
Am senkrechten Rande des Fusses ist in schön und 
rein geformten Uncialen die Inschrift zu lesen: f parce 
calix isto per quos datus est tibi xpe bertoldi monitis 
cui sis mitissime mitis. Unter dem Namen Berchtold 
dürfte ein Graf von Andechs gemeint sein, welcher laut 
einer Klostertradition diesen Kelch dem Kloster ge 
schenkt hat. An der äusseren Einfassung der Fuss- 
fläche läuft folgende Inschrift: „in testamento. veteri,. 
quasi, sub. tegumento. clausa, latet. nova. lex. novus. in. 
cruce. quam, reserat. rex.“ (Fig. 2). 
Die Patena ist auf beiden Seiten nur mit figuralen 
Darstellungen geschmückt. Die in der Mitte der Rück 
seite sind in Relief, die der Vorderseite in Niello ausge 
führt. Wir sehen die Kreuzigung, am Rande: die Syna 
goge in die Pforten der Vorhölle einziehend, die Be 
freiung der Voreltern aus derselben und deren Ein 
führung in den Himmel, dann als Mittelbild oben die 
Frauen beim heiligen Grabe, Christus auf dem Wege 
nach Emaus und dortselbst, die Scene mit dem heiligen 
Thomas, und die Himmelfahrt. (Siebe Tafel V. und VI.) 
Die Darstellungen an der äusseren Randung sind 
auf die Fläche gravirt und nur einzelne Tlieile davon 
niellirt oder mit Silber aysgefüllt. 
Die beiden jedoch nicht ausgestellten Fistulae sind 
von Silber, kleine dünne Röhrchen, 7</ a " lang, an der 
einen Seite enger und in der Mitte mit einer kleinen 
Fig. 43 (Salzburg.) 
herzförmigen Handhabe versehen. (Nr. 126 und 157. 
S. Jahrbuch IV., pag. 27.) 
Der Speisekelch im Schatze des Benedictiner-Stif 
tes zu St. Peter in Salzburg ist 9'/ % "hoch und8"breit, 
aus Silber gegossen, vergoldet und ciselirt (Nr. 114 und 
158). Die Fläche des kreisrunden und am äusseren Ran 
de mit Steinen gezierten Fusses schmücken zwölf umge- 
stürzteBogenreihen, die gegen denKnauf zu strahlenförmig 
zusammenlaufen, in denen aus einer thurmartigen Archi 
tektur en relief die Brustbilder von zwölf männlichen Ge 
stalten mit Palmen in den Händen (Martirer) sichtbar 
sind. Auf diesem Fusse ruht, und zwar von demselben nur 
durch den ausKrystall geformten runden Nodus getrennt, 
die Cuppa, die jedoch abweichend von der Gestalt der 
gewöhnlichen romanischen Kelche sich der Vasenform 
nähert und in dieser Beziehung zu den eigenthümlichsten 
Erscheinungen unter den liturgischen Gefässen dieser 
Gattung gehört. Auch die Ausschmückung der mit zier 
lichen Henkeln in Form von Drachen versehenen Cuppa ist 
ähnlich jener des Fusses. In den zwölf ovalen Feldern der 
unteren Hälfte sind gleichfalls en relief zwölf männliche als 
Propheten erkennbare Gestalten angebracht, die theils auf 
wärts schauen, theils mit erhobener Hand hinaufweisen. 
Die Brustbilder sind ziemlich roh gearbeitet. Die Fläche 
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