— 29 —
eigentliche Kreuzpartikel aufbewahrt. Im Ganzen ist die
vordere Kreuzfläche mit 170 Steinen geschmückt, die
den dünnen Goldblechen, die das Kreuz bekleiden,
angefügt sind, darunter Saphire und andere werthvolle
ungeschliffene Edelsteine, auch gibt es schöne Onixe
und Carneole, mitunter wurde auch an Stellen, wo Edel
steine abhanden gekommen waren, geschliffenes far
biges Glas eingefligt. Unter diesen Steinen befinden sich
drei egyptische Skarabäen oder Käfer, einer in Amethist,
zwei in Carneol geschnitten, dann 24 verschiedene alte
Gemmen in Carneol, Amethist, Lapis Lazzuli, Achat
und Onix geschnitten. Die Zwischenräume der ge
fassten Steine sind mit feinem doppeldrähtigem Filigran
in schwungvollen Zeichnungen decorirt.
Die Rückseite des Kreuzes ist durchwegs mit ver
goldetem Metall überzogen. In fünf Öffnungen, die mit
(St. Paul.)
feiner durchbrochener Arbeit geschlossen sind, waren
früher an hundert Heiligenreliquien aufbewahrt. Selbe
sind nicht mehr darinnen, die Namen der Heiligen aber
befinden sich auf der Metallfläche kräftig eingravirt. I m
diese fünf Öffnungen zeigen sich gravirte Heiligen
gestalten. In der Mitte etwas grösser ausgeführt der
triumphirende Heiland und an den Kreuzesbalken die
Evangelistenzeichen mit stark byzantinischen Anklang.
Am Fusse des Kreuzes ist zu lesen: „Claudit hic dign
crucis alme portio ligni de tunica, aspersa sanguine
Panonici Regis dedit uxor Thac. Adilheidis. Dominus
Guntherus Abbas patravit lianc crucern.“
Die Geschichte dieses Kreuzes lässt sichin Folgen
dem zusammenfassen. Die Kreuzpartikel wurde vor dem
Jahre 1077 durch die Königin Adelheid dem Stifte
St, Blasien unter seinem Abte Gisilbert (1068—1086
Fig. 51. (St. Paul.)