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übergeben. Selbe bekam vom Abten Uto (1086—1100)
eine Fassung von Bronze. Abt Guntherus (1141 — 1170)
entkleidete sie dieser und gab ihr dafür das gegenwär
tige weit kostbarere Gewand von Edelsteinen, Gem
men und Reliquien, das aber durch die Ungunst
der Zeiten bedeutende Schäden erlitten hat. Die rück
seitige Plattirung ist theilweise ausgeschnitten und
weggerissen, wahrscheinlich wollte »man zu den unter
derselben befindlichen Reliquien kommen. Manche
Edelsteine und besonders Gemmen sind verschwun
den und ihre Stelle ist entweder leer oder durch
werthloses Material ohne Kunst und Geschmack ersetzt.
Die ungünstigsten Schicksale scheinen in der neueren
Zeit für das Kreuz gekommen zu sein, da von den
Gemmen, die Abt Gerbert in Hist. nig. sylv. P. 2,
p. 386 u. f. beschreibt und die also zu seiner Zeit vor
handen waren, wenigstens acht verloren gegangen
sind.
Ausser diesem Kreuze sendete das Stift St. Paul noch
zwei kleine, sehr merkwürdige Standkreuze (Fig. 41
und 42). Das erstere, eigentlich nur mehr die Christusfigur,
aus grün patinirter Bronce, ziemlich roh gearbeitet, an
den Stellen der Augen Löcher, die früher mit Steinen
ausgefüllt waren, das Lendentuch reicht rückwärts bis
über die halben Waden, voran bis zu den Knien und ist
mit einem ringförmigen Dessin geschmückt (X. oder
XL Jahrhundert), der Christus des zweiten Kreuzes
ist weit feiner , wenn auch der Gewohnheit des
XL Jahrhunderts getreu geformt , aus vergoldetem
Bronce, das Schamtuch blau emailirt und mit buntför
migem Saume geschmückt. Auch hat sich das aus einer
Kupferplatte mit reichem Schmelzüberzug auf der Vor
derseite gebildete Kreuz erhalten.
Von dem sonstigen Inhalte dieser Vitrine seien
noch erwähnt ein reich geschnittenes Elfenbeinhorn
mit dem Bilde König Heinrich’s III. von Frankreich
(1575), des Stiftes Heiligenkreuz (Nr. 161), ein silberner
Rosenkranz, ein kleines Kreuz aus Holz mit Metall
fassung und Korallenbesatz, weissseidene Frauenhand
schuhe mit Goldbesatz aus dem XVIII. Jahrhundert;
endlich ein kleiner Bronceleuchter , Eigenthum des
Professors Joh. Klein. Derselbe, mit einer starken
Patina überzogen, stammt von der in Donnersbachau
im oberen Ennsthale bestandenen, nunmehr in Ruinen
liegenden Kirche und gehört zu den selten vorfindliehen
Repräsentanten der Kunst - Industrie des romanischen
Mittelalters. Seine spröde, gedrungene und dabei an-
muthige Form, der conventionelle Typus in der Ausbil
dung des Dreifusses, das durch vertiefte Linien in roher
handwerksmässiger Durchführung behandelte Ornament
Fig. 52. (Salzburg.)