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enthält. Es ist somit ein typologischer und zwar ein
sehr vollkommener Bilderciclus. Die Typologie sucht
nämlich durch Zusammenstellung ähnlicher oder ähnlich
gedachter Momente der beiden Testamente den Beweis
einer ununterbrochenen, göttlichen Offenbarung zu
führen und Begebenheiten des alten Testamentes als
Vorbilder gewisser Ereignisse des neuen hinzustellen.
Die erste senkrechte Reihe der Bilder enthält die Ver
kündigung der Geburt Isaks, die des Herrn und die Sam
sons. Zweite Reihe: die Geburt Isaaks, Christi und Sam
sons. Dritte Reihe: die Beschneidung Isaaks, Christi und
Samsons. Die vierte Reihe: oben Abraham und Mel-
chisedek, in der Mitte die Opferung der heiligen drei
Könige, unten die Königin von Saba, als Mohrin darge
stellt. Fünfte Reihe; der Auszug der Juden aus Aegyp
ten, die Taufe Christi und das eherne Becken Salomons.
Die sechste Reihe: Moses in Aegypten, der Einzug
Christi und das jüdische Osterfest. Siebente Reihe: das
Opfer des Melehisedek, das Abendmal, die Einsammlung
des Manna. Achte Reihe: der Tod Abel’s, der Judaskuss
und Abner’s Tod. Neunte Reihe: das Opfer Abraham’s, das
Opfer Christi am Kreuze (ein grösseres Bild), die Traube
aus dem Lande der Verheissung. Zehnte Reihe oben: der
Sündenfall der ersten Menschen, mitten: die Kreuzab
nahme und unten die Abnahme des Leichnams des Königs
von Jericho. Eilfte Reihe: Joseph wird in den Brunnen
gestürzt, die Grablegung Christi, Jonas von dem
Wallfische verschlungen. Zwölfte Reihe: die Plagen
Fig. 57. (Klosterneuburg.)
Fig. 58. (Klosterneuburg.)
Aegyptens, Christus in der Vorhölle, Samson tödtet den
Löwen (Fig. 33). Dreizehnte Reihe: Patriarch Jacob, das
Osterlamm, Samson trägt die Thorevon Gaza. Vierzehnte
Reihe :Enoch, Christi Himmelfahrt und Elias. Fünfzehnte
Reihe: die Arche Noe, die Ausgiessung des heiligen
Geistes, Moses empfängt die Gesetztafeln. Sechs
zehnte Reihe: die Arche, das Pfingstfest und Gesetz
gebung am Berge Sinai. Siebzehnte Gruppe: das
Hingste Gericht, die Engel des Gerichtes und die Auf
erstehung der Todten. Den Schluss bildet oben das
himmlische Jerusalem — in der Mitte der Heiland als
Weltrichter — unten der Höllenrachen. Jedes Bild ist
mit einem besonderen durch Säulchen und Bögen ar
chitektonisch gegliederten Rahmen eingefasst. Die
Farbenstimmung der Bilder setzt sich aus Blau, Roth
und Gelb zusammen, hie und da, besonders um den
Heiligenscheinen findet sich ein mattes Grün, dann
auch noch Weiss, Schwarz und ein Gemengsel aus Grau,
Weiss und Roth, in welchem Ton dieTrennungssäulchen
ausgeführt sind.
Zwischen den Tafeln sind in Halbfiguren in der
oberen Reihe Engel, in der Mitte Propheten, unten die
Tugenden dargestellt. Jeder der Propheten hält ein
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