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Fig. 61.
Stellung der Anbetung durch die heiligen drei Könige
von letzteren dargebracht werden und die gleich den
Kronen derselben erhaben aus Silber gearbeitet und
mit Steinen geschmückt sind, liest man die Worte:
Praesul Fridericus Leibnicensi sanguine natus hoc opus
aptavit altari, quod decoravit. Seidlid de Petovia me
paravit. Erzbischof Friedrich III. von Salzburg (1315
bis 1338) ist es demnach, dem wir die Beischaffung
dieses schönen Altarbehanges verdanken. (Mitth. d.
Centr. Com. VII., p. 28.)
Wir kommen nun zu den Gegenständen, welche die
beiden an der Nordwand des Saales aufgestellten Kästen
enthielten. Wir fanden hier ein dem Salzburger Dom
schatze entnommenes 13" hohes Kreuz, das aus zwei
verschiedenen Zeiträumen stammt , der Fuss ist ein
Werk des XV. Jahrhunderts, während das eigentliche
Kreuz sicherlich um drei Jahrhunderte früher ent
standen sein mag. Dasselbe ist aus Holz, hat doppelte
Querbalken, ist ganz mit Silberplättchen und darauf
mit reichem Filigran schmuck belegt. In einer kreuz
förmigen Vertiefung inmitten des durch den unteren
Querbalken gebildeten Kreuzes ist die particula S. crucis
eingelegt. Oberhalb befindet sich ein grüner Stein
mit der eingesclmittenen Vorstellung des Kampfes des
heil. Georg mit dem Drachen. Als Nodus ist ein Stück
geschliffenen Bergcrystalls verwendet (Nr. 167, Fig. 43).
Das mit Rücksicht auf die Form unter dem Namen
Rotula bekannte liturgische Schaugeräth besteht aus
einer mittelst eines Stieles in einen pyramidal gestalte
ten Fuss eingefUgten Scheibe. Der Fuss von emaillirtem
Fig. 62.
Kupfer besteht aus drei Dreiecksflächen und ruht auf
drei Drachen, deren Flügel in die angrenzenden Flächen
eingravirt und emaillirt sind. In jedem der drei Felder
ist ein Medaillon angebracht, darin in prachtvollen Email
farben „ das Schreiben des T. “, „ die Erhöhung der ehernen
Schlange“ und „Samson trägt die Thorflügel von Gazä“
dargestellt ist. Die Scheibe hat 28Centimeter im Durch
messer, ist von einem Rande umschlossen und durch
gekreuzte Stäbe in vier Felder getheilt, welche in durch-
brochenerWeise figurale und ornamentale Gestaltungen
aus starkem vergoldetem Kupfer getrieben zeigen, als:
das Grab Christi, die Himmelfahrt, den symbolischen
Löwen und den zur Sonne auffliegenden Adler. Diese
Darstellungen sind mit entsprechenden Beischriften ver
sehen. Leider ist die Scheibe nicht mehr vollständig,
denn ohne Zweifel dürfte auf dem jetzigen Rand ein
Zierrand aufgelegt gewesen sein, der mit Steinen ge
schmückt war, zu deren Aufnahme die im Rand bestehen
den Oeffnungen bestimmt waren. Die Bestimmung dieses
in das Ende des XII. oder beginnenden XIII. Jahr
hunderts gehörigen Geräthes (Eigenthum des Stiftes
Kremsmünster) ist nicht mehr klar zu erkennen, doch
ist es wahrscheinlich, dass sie die Fassung für eine
Reliquie vom heil. Kreuze oder des Leidens Christi
gebildet haben mag (Nr. 169 s. Taf. VII).
Von den zahlreichen Kelchen, die dieser Kasten
enthielt, sei vorerst erwähnt: der Kelch aus der Abtei
St. Paul (Nr. 216).Er ist aus vergoldetem Silber ange
fertigt, 8" 6"' hoch uud repräsentirt den Einfluss des
gothischen Styles auf dieses Gefäss, der sich dadurch
5*
(St. Florian.)