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Fig. 69. (Melk.)
prachtvollen Behältnisse, welche die geweihte Hostie
in kostbarer Fassung der Verehrung der Gläubigen zur
Schau stellt. Fuss zum Aufstellen und Knauf zur Hand
habe sind den entsprechenden Theilen der Ciborien und
Kelche nachgebildet, der obere Theil aber entwickelt
sich in der Regel zu drei zierlich durchbrochenen Spitzen,
von denen die mittlere höher emporragt, während die
seitlichen nach unten consolartig abgeschlossen sind. In
der Mitte sieht man in einem viereckigen Felde oder in einer
cilindrischen Hülse die durch ein Krystallglas geschützte
Hostie von einer halbmondförmigen Hülse umfasst.
Die frühesten Monstranzen scheinen in den Beginn
des XIV. Jahrhunderts hinaufzureichen; die meisten, dar
unter die glänzendsten, gehören dem XV. Jahrhundert an,
einzelne fallen noch in die ersten Decennien des XVI.
Jahrhunderts. Bald darauf, mit dem Eintritt der Renais
sance, ändern sie vollständig ihre Gestalt und nehmen
jene beliebte Sonnenform an, welche die geweihte
Hostie mit einem Strahlenglanze, wie mit einem Nimbus
umgibt. Es versteht sich, dass die mittelalterlichen Mon
stranzen im Aufbau und der Ausschmückung nach Minia
turbilder gothiseher Thurmbauten sind, und dabei die Styl
wandlungen der gleichzeitigen Architektur getreulich
mitmachen. Doch sind die Streben, Fialen und Masswerke,
die Krabben und Blumen meist für das Material ge
schickt modificirt, und da die Monstranzen in der Regel
aus edlem Metall, gewöhnlich vergoldetem Silber beste
hen, so spricht sich der gothische Styl in diesen Formen
getreulich aus. Nur ausnahmsweise kommen hölzerne
Monstranzen vor. In ärmeren Kirchen begnügt man sich
mit solchen aus Messing oder vergoldetem Kupfer. Es
finden sich mitunter solche Gefässe von auffallender
Höhe. Die grössten Monstranzen sind offenbar nur zum
Ausstellen auf dem Altar, nicht aber, um getragen zu
werden, bestimmt gewesen und zeigen bisweilen zwei
Handhaben zum Anfassen.
Ein sehr kostbarer Gegenstand ist die gothische Mon-
stranze aus der Sammlung des Freih. v. R o t h s c h i 1 d. Sie
ist aus Silber angefertigt und theilweise vergoldet, hat
eine Gesammthöhe von 48" und charakterisirt sich durch
einen äusserst schlanken Aufbau. Der Fuss zeigt die
häufig vorkommende sechsblättrige Rose. Der Stiel ist
sehr dünn und hoch, baut sich sechsseitig auf und ist
mit einem capellenartigen Nodus besetzt. Der eigent
liche Capellenbau ist ebenfalls sechsseitig construirt, das
Hostienhäuschen ist cylindrisch. Figuraler ursprüng
licher Schmuck findet sich an dem Gefässe nicht,
obschon zahlreiche Nischen und Consolen an demselben
angebracht sind. In das Hostienhäuschen ist in neuerer
Zeit eine zierliche Figur, den h. Petrus vorstellend,
eingesetzt worden. Wir finden an dieser dem XV. Jahr
hundert angehörigen Monstranze den seit dem Beginne
dieses Jahrhunderts überwuchernden Einfluss des deco-
rativen Elements gegenüber dem verdrängten construc-
Fig. 70. (Melk.)
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