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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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flache Fuss bildet eine achtblättrige sehr breite Rose, die 
Oberflächen sind blank, der Stiel ist achtseitig, mit einem 
kräftigen Nodus in Form einer Capelle geziert. Auf 
dem Stiel ruht eine Platte als Trägerin der unteren Capelle 
oder besser gesagt, eines mächtigen Spitzbogens, unter 
welchem die über 5 " hohe Figur des h. Leonhard steht. Die 
Figur ist vergoldet, Gesicht und Hände sind mit Ölfarbe be - 
malt. Auf dem abgeschrägten Rande der erwähnten Platte 
befindet sich folgende Inschrift: „dew monstranczen hat 
lassen machen lawrencz mawtter burger zu Temsweg 
Zechmäister sand lienhartz aus merigelay chlainat dew 
derchirchen sand lienhartz geopfert sind anno dm. m° 
cecc° xii. jar.“ Eine auf diesen Spitzbogen ruhende 
breitere und längere Platte trägt den eigentlichen Bau 
des Retabulums. Dasselbe ist viereckig, vorn und rück 
wärts mit einer Glasplatte versehen, damit man die 
darin in einer von Engeln gehaltenen Lunula getragene 
heilige Hostie sehen kann. Der darüber sich entwickelnde 
Abschluss zeigt eine dreitheilige durchbrochene Capelle, 
daran die beiden Aussentheile mit einen vierseitigen 
mit Knorren und Kreuzblume besetzten Spitze ab- 
schliessen. Die Mittel-Capelle trägt noch einen wei 
teren auf vier Säulen ruhenden Aufbau, darin der Ecce 
homo. An der Schmalseite des Tabernakels erhebt sich 
beiderseitig eine offene Capelle, darinnen je ein Figür- 
chen (St. Laurenz und St. Jacob major), darüber steigt 
endlich eine weitere viereckige Uber Eck gestellte Capelle 
empor, deren Fenster mit Masswerkblenden auf blauem 
oderviolettemEmailgrunde geziert sind, schliesslich bildet 
deren Abschluss gleich dem Mittelbau ein vierseitiger 
massiver Spitzhelm (Fig. 73. S. Mitth. d. Cent. Comm. 
XV. , pag. XXIX). 
Eine gothische Monstränze von Silber in sehr zier 
licher Form des XV. Jahrhunderts ist aus der Kirche 
zu St. Leonhart in Kärnthen ausgestellt (Nr. 174). Die 
unter Nr. 173 erscheinende Monstränze, 2' 3 J / 2 '' hoch 
und l()i/ a ' breit, aus Silber und vergoldet, gehört dem 
Stifte Seitenstetten und stammt aus dem Ende des 
XVI. Jahrhunderts. Sie zeigt, obwohl der thurmartige 
Aufbau mit der im gothischen Style üblichen Construction 
beibehalten ist, bereits den entschiedenen Einfluss der 
Renaissance auf die Ornamentik, insbesondere an den 
Einfassungen der Fenster, an den Verzierungen des 
Nodus und der Querunterlage des Tabernakels. Das 
Hostienbehältniss ist rund, nach beiden Seiten mit einer 
Glasplatte versehen. Die den Tabernakel abschliessende 
Spitze ist .mit dem gekreuzigten Heilande geziert, 
ausserdem finden sich mehrere sehr zierliche Figürchen 
an verschiedenen Stellen angebracht (Fig. 80). Die 
vom Stifte Schotten ausgstellte gothische Monstränze 
(Nr. 192) ist aus Kupfer gegossen und vergoldet, 
sie bildet ein hübsches Beispiel jener zahlreichen 
derartigen Gefässe, die im XVI. Jahrhundert — man 
könnte sagen fabriksmässig — erzeugt wurden. Vom 
Stifte Melk sind zwei Monstranzen ausgestellt, eine 
Reliquien-Monstranze in gothischer Form aus Kupfer 
vergoldet, und dem XV. Jahrhundert angehörig (Nr. 180), 
Fig. 76, die andere (Nr. 168), die sogenannte Colo- 
manni-Monstranze aus Silber, im Jahre 1752 angefertigt 
und einen Hollunderstrauch vorstellend, der in zwei ver 
schlungenen Stämmen aus dem Fusse des Ostensoriums 
eraporsteigtund sich oben in einen blätterreichen Strauch 
verbreitert. Die Hollunderblüfhen sind durch Perlen dar 
gestellt. Ein Beispiel der gröbsten Geschmack-Verirrung.
	        
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