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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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bestehend aus der elfenbeinernen, einmal gewundenen 
Krümmung und zwei Noden nebst deren Vermittlungs- 
gliede erhalten (Fig. 29). Inner der fast kreisrunden 
Krümmung, welche 4" 6'" im Durchmesser hat, zeigen 
sich zwei über einander gruppirte Vögel, wovon der 
untere, welcher auf dem Schlangenleibe steht, wahr 
scheinlich ein Pfau, an einem Blumen-Ornamente zehrt. 
Der zweite Vogel, unzweifelhaft eine Taube, steht mit 
einem Fusse auf dem Klicken des Ersteren, hält sich mit 
dem anderen an dessen Halse fest, breitet die Flügel 
wie zum Fluge aus, und trägt in seinem Schnabel ein 
zierlich geformtes Kreuz, gleichsam als wollte er das 
selbe in die Höhe tragen und gegen jeden Angriff 
schützen. Gegen diesen Vogel ist auch der das Ende 
der Krümmung bildende geöffnete Schlangenrachen ge 
richtet. Wir sehen in dieser Gruppe sinnbildlich durch 
die Schlange das böse Princip und durch den Pfau das 
Bild des Hochmuths den Angriff des Bösen gegen das 
Christenthum, und durch die Taube, die das Kreuz trägt, 
den heiligen Geist, welcher die gläubigen Christen im 
Kampfe gegen die Sünde kräftiget, dargestellt. 
Die beiden Noden sind von Krystall. Der obere ist 
ziemlich flach und von poligoner Form, der untere rund, 
aber nicht ganz kugelförmig. Zwischen beiden Noden 
befindet sich ein kleiner Krystallcylinder, der oben und 
unten mit einem Metall-Keifen eingefasst ist. Sowohl 
die beiden Reifen, als auch das innerhalb des Cylinders 
befindliche Verbindungsstück der beiden Noden sind 
mit bunten Emails geziert. 
Romanischer Krummstab aus dem Benedictiner- 
Nonnenkloster am Nonnberge zu Salzburg aus der 
ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts. Bezüglich der 
Entstehungszeit dieses Stabes gibt der Umstand , dass 
Erzbischof Eberhard II. der Äbtissin Gertraud II. (1235 
bis 1252) im Jahre 1242 das Recht des Pastorales er- 
theilte,. wohl hinreichenden Grund zu vermuthen, dass 
diese Äbtissin sich beeilt haben wird, von jenem ihr er- 
theilten Rechte Gebrauch zu machen, und sich baldigst 
mit einem Pastorale, wahrscheinlich mit dem hier abge 
bildeten , versehen hat (Fig. 31). Der ganze Stab besteht 
aus Elfenbein, und ist gegenwärtig noch vollständig 
erhalten. Die Krümmung hat einen Durchmesser von 
5y a ". Der elfenbeinerne Schaft besteht aus vier Stücken, 
und ist mit einigen Blattornamenten in Roth , Schwarz 
und Goldfarbe bemalt. Das unterste Stück des Schaftes 
endiget mit einem metallenen Stachel. Der Nodus ist 
rund, jedoch sehr flach gedrückt, in gleicher Weise wie 
der Schaft bemalt, und ausserdem mit einem mittelst 
schwarzer Farbe eingebeizten Ringe verziert. Aus dem 
Nodus hebt sich der Kopf eines Ungethüms mit lan 
gen zurückgelegten Ohren empor, aus dessen Rachen 
sich die reich verzierte Krümme entwickelt. Dieselbe 
besteht aus einer einmaligen Windung, und endiget mit 
einem dem früheren fast gleichen Ungefhümkopfe, wel 
cher aus seinem mit starken Zähnen bewaffneten Ra 
chen die rothe Zunge weit hervorstreckt. 
Längs des Aussenrandes der Krümmung sind 
strahlenförmig flache, zierlich ausgeschnittene Blätter 
angebracht. Am obersten Punkte der Krümmung befindet 
sich ein in eine Spitze auslaufendes Doppelblatt, nach 
welchem alle anderen Blätter gerichtet sind. 
Inner der Rundung erblickt man im Flachrelief das 
nimbirte Osterlamm mit dem Kreuze, dessen eine einmal 
gebrochene Linie bildenden Schaft es mit dem linken 
Fig. 78. (Prieglitz.) 
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