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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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Vorderfusse hält. Gegen eben dieses Kreuz ist sowohl 
der Kopf des Lammes zurückgewendet, als auch der 
offene Rachen des früher erwähnten Ungethüms gerichtet. 
Zu Füssen und an der Seite des Lammes sind in Elfen 
bein geschnittene Ornamente, darunter auch ein Drei 
pass, angebracht. 
An der vordem und rückwärtigen breiten Fläche 
der Krümmung sind Aufschriften in romanischer Lapidar 
schrift zu bemerken. An der Vorderseite befinden sich 
die bekannten Worte: „Salve regina misericordiae“, auf 
der Kehrseite: „Ave maria gratia dominus tecum“. Die 
Buchstaben sind goldfarbig, ihre Einfassung wechselt 
zwischen schwarz und roth. Zwischen den Buchstaben 
befinden sich einige goldene , grün eingerahmte, orna- 
mentirte Streifen. Endlich ist noch zu erwähnen , dass 
die Radialverzierung und die Krümmung sammt Gruppe 
in reicherWeise mit goldfarbigen Ornamenten bemalt ist. 
Romanisches Pastorale aus dem Schatze des Augu 
stiner Chorherren-Stiftes zu Klosterneuburg inNie- 
der-Österreich aus dem XIII. Jahrhundert. Dieser gegen 
wärtig vollständig erhaltene Stab bildet in formeller Be 
ziehung eine Specialität. Die Anschaffung desselben 
wird laut der schriftlichen Aufzeichnungen dieses Stiftes 
dem Probsten Pabo, dem ersten Erbauer des Kreuzgan 
ges daselbst (1279—1292), zugeschrieben. Er besteht 
in allen seinen Theileu aus Elfenbein und hat eine Höhe 
von 6', wovon auf das verzierte obere Ende mehr als 
12" kommen (Taf. VIII). 
Der runde Schaft, welcher sich nach abwärts etwas 
verjüngt, besteht aus vierzehn gleich grossen Theileu, 
die durch Schrauben und Stifte mit einander verbunden 
sind, und welche mit je einem roth-, gelb- und schwarz 
farbigen zweigartigen Ornamente mit Kleeblattenden 
bemalt sind (Fig. 150). 
Die interessanteste Partie dieses Stabes ist der 
Obertheil. Der Knauf hat die Form einer etwas 
gedrückten Kugel, und ist mit den darauf gemalten 
nimbirten Zeichen der vier Evangelisten geschmückt. 
Rücksichtlich der Anordnung der Farben muss bemerkt 
werden, dass die Umrisse der Ornamente und Figuren 
schwarz sind, die Ausfüllung durch Gold geschieht, und 
durch die nur in einzelnen Strichen verwendete rothe 
Farbe blos gewisse Stellen hervorgehoben werden. Aus 
dem Nodus heraus entwickelt sich mittelst eines stufen 
förmigen Überganges ein Schlangenkopf, an dessen 
Stirn- und Unterkiefer-Seite sichje eine in einem muschel- 
' förmigen Ornamente sitzende, ungewöhnlich bekleidete 
Figur mit jüdischem Typus zeigt, deren Kopf sich nach 
der in der Krümmung befindlichen Vorstellung richtet. 
Das obere Ende des Stabes bildet ganz abwei 
chend von der gewöhnlichen Form, statt einer Schnecke 
einen vollständig geschlossenen, aber nicht ganz runden 
Ring, der in seinem Durchmesser 5</ 2 " misst, und aus 
sieben Theilen besteht, welche mittelst eben so vieler 
Messingringe zusammengehalten werden. 
An seinem Aussenrande ist der Ring, und zwar an 
seiner obersten Stelle mit der aus einem doppelten Blatt- 
Ornamente in sitzender Stellung emporsteigenden Figur 
G;ott Vaters, welche ein Buch in der Linken hält und 
die Rechte zum Segen erhoben hat, geziert. Rechts und 
links davon sind am Ringe je drei kammartige, silhouet 
tenförmige Krabben in Strahlenform angebracht. An den 
beiden Flachseiten des Ringes befinden sich Inschriften 
in spät-romanischen Majuskeln, die sich auf die inner 
halb des Ringes befindliche Gruppe beziehen. Leider 
ist jedoch nur die Inschrift an einer Seite lesbar. Sie 
lautet: „ave maria gratia.“ 
Die ziemlich roh gearbeitete freistehende Mittel 
gruppe stellt die Verkündigung Mariens vor und steht 
Fig. 79. (Rabenstein.) 
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