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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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mit der oberwälinten Aufschrift in vollkommenem Ein 
klang. Die Mutter Gottes sitzt auf einem Stuhle mit ge 
falteten Händen, ihr gegenüber zeigt sich, gleicham auf 
sie zuschreitend, in etwas gebeugter Stellung der Erz 
engel Gabriel, die Rechte in die Höhe haltend. Zwischen 
beiden befindet sich ein Baum, der zugleich auch als Pult 
für ein vor der heiligen Maria aufgeschlagenes Buch dient. 
Auf einem Aste desselben sitzt die den heiligen Geist 
vorstehende Taube gegen Maria gewendet. Alle 
Figuren, sowie die Krabben, sind roth und golden 
bemalt. 
Ein romanischer Krummstab in der Pfarrkirche zu 
St. Wolfgang in Ober-Österreich aus dem XII. Jahr 
hundert? Der bronzene Obertheil (Fig. 38) ist unzweifelhaft 
eine herrliche Arbeit des XII. Jahrhunderts. Die Auf- 
steckhülse ist, gleich dem ganzen Obertheile, mit bunt 
farbigen Emails verziert und zeigt etliche theils aufrecht 
stehende, theils vorwärts schreitende Greifen mit er 
habenen Flügeln und verschlungenen Schweifen, die 
bösen Dämone symbolisirend , welche als Feinde 
der Kirche der Hölle entsteigen. Den Nodus, welcher 
mit einer kleinen Blätterkrone bedeckt ist, wodurch 
er das Ansehen eines Granatapfels bekommt, zieren 
Sterne und Blumen auf blauem Emailgrund und da 
zwischen die eingravirten, mit Schmelz ausgelegten 
Halbfiguren der vier Evangelisten, deren Köpfe aus Mes 
sing gegossen, vergoldet, reliefartig hervortreten. Der 
Krone entsteigt ein gekrönter Engel mit entfalteten 
und nach rückwärts in die Höhe gebogenen geöffneten 
Flügeln, in den Händen ein geschlossenes Buch 
haltend, Augen, Krone und Gewandsaum gegen 
den Hals hin sind mit Edelsteinen besetzt, die 
Flügel mit herrlichen Schmelzfarben überzogen; das 
Übrige des Engels ist übersilbert. Diese vortrefflich 
gearbeitete Figur, und insbesondere deren Bekrönung, 
bildet den Vermittler zwischen dem Nodus und der 
Curvatura , welche aus einer zweimal gewundenen sich 
verjüngenden Schnecke mit vierseitigem Krümmungs 
körper besteht, die mit farbigen dreitheiligen Wolken 
in Sehmelzfarbeu bemalt ist, und mit einer zierlichen, 
aus fünf mandelförmigen Blättern gebildeten Blume en 
digt. Der mit Elfenbeinbesatz versehene Schaft stammt 
aus dem XVI. Jahrhundert. 
Der romanische Krummstab des Benedietiner- 
Stiftes St. Peter in Salzburg aus demXII. Jahrhun 
dert (Fig. 39) ist vollständig erhalten. Der Obertheil ist 
aus Bronze, der Schaft aus Holz und mit rother Farbe 
bemalt, die aber gegenwärtig fast ganz verschwunden 
ist. Durchmesser der Krümmung 3" 8'". Die mit dem 
bronzenen Obertheile verbundene Hülse, bestimmt zur 
Befestigung desselben am Schafte, ist mit Ornamenten 
in Email und den eingravirten Halbfiguren zweier Engel 
auf blauem Grunde geziert. Der kugelige, gegen oben 
und unten etwas gedrückte Nodus zeigt zwischen Ara 
besken in durchbrochenen Rundungen Thicrgestalten 
mit menschlichen Köpfen. Oberhalb des Nodus (befindet 
sich eine kleine Krone von spitzen Blättern gebildet, aus 
welcher der sehr zarte, fast cylindrische Krümmungs 
körper emporsteigt, welcher an zwei Stellen gebrochen 
ist, und eben nicht auf die zierlichste Weise reparirt 
wurde. Die gegen vorwärts gebogene offene Krümmung 
wird durch einen dünnen, sich allmälig verjüngenden, 
zweimal gewundenen Schlangenleib gebildet, der an den 
beiden Aussenseiten mit einem zierlichen romanischen 
Fig. 80. (Seitenstetten.) 
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