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Bandornamente in Email geschmückt ist. Ausser dieser
emaillirten Stelle zeigt die Krümmung nur blankes Bronze.
Der Sattel der Windung ist mit einigen kugelartigen
Knorren besetzt, welche gegen die Mitte der Schnecke zu
etwas verlängert sind und als Stützen des dortigen Krüm
mungskörpers dienen. Im Innern der Krümmung befindet
sich ein das Ende der Windung bildender phantastisch
geformter Schlangenkopf, welcher ein breites , bunt
emaillirtes Laubornament im Rachen hält.
Fig. 81. (Wien.)
An diesem Stabe ist mittelst eines Bandes ein
dicker dreieckiger Tuchlappen befestiget (Fig. 112), wel
cher dazu diente, um daran das Sudarium zu hängen.
Dieses seltene Exemplar einer Bursa ist von rothem
Tnche mit goldener Bordüre und rothen Fransen be
setzt, und hat in der Mitte eine mit Perlen gestickte
Arabeske.
Gothischer Krummstab des Benedictiner- Stiftes
St.Peter inSalzburg aus dem XV. Jahrhundert. Die
ser in seiner Art prachtvolle und vollständig erhaltene
Krummstab ist ein Geschenk des Abten Rupert V. an
die Abtei. Er ist ganz aus Silber verfertigt und hat eine
Höhe von 6' 6". Der Schaft ist hohl und besteht aus einer
Holzröhre, welche mit Silberblech überzogen ist; er ist
durch vergoldete Wulste, an welcher er durch Abschrau
ben zerlegt werden kann , in vier Theile getheilt, von
welchem die drei oberen mit Blumen und Verschlin
gungen in gestauchter Arbeit verziert sind. Um den
obersten dieser Theile schlingt sich ein Spruchband mit
der für Krummstäbe bedeutungsvollen symbolischen In
schrift: Collige, sustenta, stimula, vaga, morbida,
lenta. 1487.
Vorzüglich zierlich sind der Nodus und die Krüm
mung , welche zusammen eine Höhe von 2' haben
(Fig. 93). Der Nodus ist lang gestreckt, nicht sehr her
vortretend, hat die Gestalt einer Capelle, und ruhet auf
einer Console, welche den Uebergang vom Schafte nur
allmälig vermittelt. Die hohe sechsseitige Console ist
mit kleinen Flächen geziert, auf denen ein Ecce homo
und fünf Engelsgestalten mit Leidenswerkzeugen ein-
gravirt sind. Zwischen 6 Flächen sind kleine freistehende
Säulchen angebracht. Der Nodus selbst besteht aus
zwei Abtheilungen, doch ist nur der untere Theil ent
wickelt, während der obere gedrückt und auch minder ge
ziert ist. Im unteren Theile sind unter den mit Fialen und
pflanzenartigen Verschlingungen reich verzierten sechs
Bögen je ein und zwar vorzüglich gearbeitetes Figür-
chen angebracht, vorstellend den heiligen Vitalis,
Rupertus, Petrus, Paulus, den Heiland und die Mutter
Gottes.
Aus dem Nodus entwickelt sich, nachdem sich der
Schaft noch etwas in gerader Richtung Uber demselben
fortsetzt, die einmalig gewundene, nach vorwärts gebo
gene und sich verjüngende Schnecke. Dieselbe ist am
Aussenrande mit 10 Knorren besetzt, hat an den beiden
Flachseiten zierliche Filigranarbeiten, die in neuerer
Zeit mit Schmuck von Perlen und Edelsteinen bereichert
wurden, und folgende längs der Knorren nächst dem
rückwärtigen Krümmungsrande aufsteigende Inschrift:
Rudberti abbatis persto ego iussu suo anno 1487 —
(auf der anderen Seite) Initium sapienciae timor domini.
Eccl. prim.
Inner der geschlossenen Krümmung befindet sich
unter einem geschweiften Spitzbogen, dessen Kreuz
blumen über den Rand der Schnecke hinausstehen, die
Figur der heiligen Katharina mit Rad und Schwert auf
einer Console stehend.
Noch sind zwei Figuren an diesem mit figuralem
und ornamentalem Schmucke reich ausgestatteten Kunst
werke zu erwähnen. Die eine kniet auf einer Uber den
Nodus hervortretenden Console und stellt einen Priester
mit der faltenreichen Flocke angethan, ohne Zweifel den
Abt Rupert V. vor, dessen Wappen am Nodus angebracht
ist. Die andere steht auf dem über dieser Figur ange
brachten polygonen, flach abgeschlossenen Baldachin.
Sie ist nackt, hält mit beiden Händen die Schnecke
und stösst mit dem linken Fusse gegen die ihr zu
nächst angebrachte Knorre. Sie scheint ohne einen
weiteren tieferen Sinn bios zur Unterstützung der Krüm
mung angebracht zu sein. Der Künstler dieses gross
artigen Denkmales dürfte der aurifaber Pertoldus von
Salzburg sein, welcher laut der Rechnungen des Abtes Ru
pert V. mehrere Silberarbeiten für denselben geliefert hat.
Endlich ein Krummstab aus Silber, vergoldet, in
der Krümmung der englische Gruss: Ende des XVI.
Jahrhunderts, Stift Kremsmünster (Nr. 172).
Von den hier befindlichen kirchlichen Gewändern
seien erwähnt die grüne Glockencasel, ein altes roma
nisches Messkleid aus dem oft genannten Stifte St. P et er
inSalzburg. Es ist ein rundes, glockenförmiges Ge
wandstück aus einem sehr festen orientalischenSeidenstoff
in mattem Grün, und hat nur oben für den Durchlass des
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