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dass dieses im zweiten Viertel des XII. Jahrhunderts
entstandene kirchliche Kleid in dem Frauenmünster der
Benedictinerinnen zu Zürich angefertigt wurde und ent
weder für das Stift St. Blasien oder für das berühmte
Benedictinerkloster St. Gallen bestimmt war. (Siehe
Heider’s Aufsatz darüber im IV. Jahrbuche der k. k.
Centr. Comm. 134.)
Das zweite liturgische Gewand ist ein im Beginn
des XIII. Jahrhunderts entstandenes Pluviale (cappaplu-
vialis, casula cucullata, processoria, Mantel) von der glei
chen Form wie die Basel, nur vorn offen und über der Brust
mittelst einesQuerstreifens zusammengehalten; rückwärts
ist eine kleine Capuze angebracht. Durch einen längs des
Rückens herumlaufenden ornamental verzierten Streifen
wird der in seiner Ausbreitung einen Halbkreis bildende
Mantel in zwei gleiche Theile geschieden. Auf jedem
derselben sind neunzehn ganze Kreise und fünf theils
grössere, theils kleinere Kreis-Segmente als Räume für
figuralische Darstellungen hergestellt, deren jede durch
eine dem Kreisumfange folgende im leoninischen Vers-
masse gehaltene Umschrift erläutert wird. Die Zwischen
räume, welche durch die an einander gereihten Kreise
Fig. 83. (Wien,)
gebildet werden, enthalten aus Blättern gebildete Orna
mente. Die tiguralen Darstellungen führen auf der einen
Hälfte die vollständige Legende des heiligen Blasius,
auf der andern Hälfte die Legende des heiligen
Vincentius, Schutzpatrone des Stiftes St. Blasius vor.
Rücksichtlich des Stoffes , der Stickerei und Farben
gilt das vom ersten Gewände Gesagte, nur erscheinen
hier auch noch Goldfäden verwendet. In Fig. 50 und 51
geben wir die Abbildung der Darstellungen auf derVor-
der- und Rückseite der Capuze; die erstere zeigt, wie
der mit dem Pluviale angethane Abt vor einem Schutz
heiligen des Stiftes kniet und ihn bittet, dem Kloster ein
gütiger Schützer zu sein, die andere zwei phantastische
Thiergebilde. (Nr. 193).
Das dritte liturgische Gewand ist eine der früheren
gleichgeformte Casula aus dem beginnendenXIII. Jahr
hundert, die jedoch im XVIII. Jahrhundert in ihrer
Form etwas verstümmelt wurde. Auch sie wird durch
einen längs des Rückens herablaufenden Stab in zwei
Theile getheilt, deren jeder 18 zum Theile zugeschnit
tene Quadrate als Räume für figurale Darstellungen
enthält. Die Abgränzung dieser Flächen bildet Strei
fen, welche oberhalb jeder Darstellung zur Anbrin
gung der sie charakterisirenden im leoninischen Vers-
masse gehaltenen Aufschrift dienen , zur Seite der
Darstellungen aber mit verschiedenen Band- und Laub
verzierungen geschmückt sind. Was die Stichweise und
den Wechsel der Farben betrifft, so gleicht diese Casula
dem eben besprochenen Pluviale so vollständig, dass
kein Zweifel Uber die gleichzeitige und örtlich zusam
menfallende Anfertigung beider zulässig erscheint. Die
Farbenstimmung ist grtin-roth, doch kommt auch Gold
hinzu, welche das Ganze weicher und glänzender ge
stattet. Hinsichtlich des Inhaltes der Darstellungen ist zu
bemerken, dass sie entweder neutestamentarische Scenen
Vorbringen, oder solche aus dem Leben des heiligen
Nicolaus, Bischofs von Mirea. In den neun Medaillons
des Stabes siehtmandas Lamm Gottes, die Bilder der
Evangelisten und vier grossen Propheten (Nr. 214).
Dem XV. Jahrhundert gehört das grünsammtene
Messkleid an, das auf seiner Rückseite mit sehr schöner
Flachstickerei in Kreuzform besetzt ist; die Stickerei stellt
den Stammbaum Jesse vor. Dieses kirchliche Kleidungs
stück war ehemals Eigenthum der Carthause Geirach
in der Steiermark und wird noch gegenwärtig in der
dortigen Pfarrkirche aufbewahrt.
Nicht minder werthvoll wie die kirchlichen Ge
wänder von St. Paul sind jene aus dem aufgehobenen
Nonnenstifte Goess in Steiermark. Dieselben stammen
aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts und sind
in ähnlicher Weise, wie die eben genannten, mit Seiden
stickerei überzogen. Leider sind sie auch nicht so gut
conservirt wie jene und wurden die schadhaften Stellen
durch andere Stoffe efgänzt.
Der Ornat besteht aus einer Casula, die leider nicht
zur Ausstellung gelangte, zweiDalmatiken, einemPluviale
und einem Antipendium. Auf der einen grösseren Dal
matien ist oben beim Halsausschnitte am Rücktheile in
einem Medaillon zum Theile die Darstellung der Ver
kündigung Mariens mit demLegendarium des englischen
Grusses sichtbar. Um dieselbe gruppirten sich die Sym
bole der Evangelisten, wovon gegenwärtig nur mehr zwei
erhalten sind. Den übrigen Raum der Rückseite nehmen
zwölf Darstellungen symbolischer Thiergestalten ein.